Um halb neun klingelt der Wecker, und draussen scheint bereits die Sonne. Für heute habe ich am späten Vormittag eine Whale Watching Tour und für den Nachmittag eine Bear Watching Tour gebucht, jeweils beim gleichen Anbieter “West Coast Aquatic Safaris” in Tofino. Unser Guide wird im Lauf des Tages mehrfach erzählen wie ungewöhnlich gut heute das Wetter ist, mit knapp 20 Grad warm sowohl für die Gegend wie auch die Jahreszeit, und wie ruhig die See heute ist. Ich habe also offenbar wieder mal eine gute Wahl getroffen, MeteoBlue sei Dank!
Kurz nach halb zehn hole ich das Auto vom Valet Service und mache mich auf den kurzen Weg nach Tofina “downtown”; es sind nur knapp 5 Kilometer bis dahin.
Wie ich im Vorfeld schon gelesen hatte verlangt auch Tofino während der Saison Parkgebühren; ich habe zwar Glück und bekomme direkt ums Eck von meinem Anbieter einen Parkplatz, aber die Höchstparkdauer ist auf 6 Stunden limitiert, ich bräuchte aber 7. Mangels Alternativen beschliesse ich es einfach drauf ankommen zu lassen, und löse über die hiesige Parking App (namens “Honk!” :)) ein entsprechendes Ticket. In der Zeit sprechen mich 2 verschiedene Touristengruppen an, die ebenfalls auf Parkplatzsuche sind, und mich dank meines Autos mal wieder für einen Local halten 🙂 Tatsächlich kann ich aber in beiden Fällen aushelfen, also passt das doch.
Ein paar Meter entfernt ist mein heutiger Touranbieter; wie man sieht haben sich schon einige andere Gäste zur Anmeldung eingefunden. Wer will bekommt auch kostenslos eine wind- und wasserdichte Jacke ausgeliehen, das ist heute aber effektiv nicht nötig.
Offenbar haben noch mehr Menschen den Wetterbericht für heute gelesen, und es ist ja auch noch Sonntag, d.h. es sind nicht nur ausländische Touristen hier – jedenfalls haben sich so viele Tourgäste angemeldet, dass sie uns in 2 Gruppen aufteilen. Ich habe Glück und komme auf das kleine Boot “WASCO “mit 12 Teilnehmern während die restlichen knapp 40 Leute auf das grössere Schiff gehen.
Unser Guide und Kapitän ist Scott, tatsächlich (wie wir im Lauf der Tour herausfinden) der einzige studierte Meeresbiologe von West Coast Aquatic Safaris, und wie die meisten langjährigen Guides ein angenehmer und unterhaltsamer Typ.
Wir fahren aus dem kleinen Hafen von Tofino hinaus und sind ca. 20 Minuten unterwegs, bevor wir in die Nähe von Walsichtungen kommen. Scott erzählt dabei unter anderem, dass Tofino in den letzten 2 Jahren etwa 500% mehr inländische Besucher aus anderen Teilen von Kanada bekommen hat – die Kanadier reisen eben auch nicht mehr so gerne und viel nach USA wie in früheren Jahren.
Bei der Hafenein- und Ausfahrt müssen alle Teilnehmer aus Sicherheitsgründen in der Innenkabine des Schiffs sein, danach dürfen wir uns frei verteilen. Ich hatte (strategisch geschickt!) den hintersten Sitzplatz in der Innenkabine gewählt, was heisst ich bin nun als Erster draussen, und dann oben auf dem “Oberdeck” mit seinen 6 Sitzplätzen. Ich kann mir direkt den Platz rechts hinter dem Steuermann sichern, der sich im Lauf der Tour als die bessere Seite erweisen wird. Es sind zwar alle nett und kollegial miteinander, niemand muss Angst haben etwas nicht sehen zu können, aber so ist es trotzdem angenehm.
Jetzt aber eine kleine Bilderauswahl vom Morgen. Ich habe heute insgesamt über 1’300 Fotos geschossen, aber viele davon ganz oft in der Hoffnung, bei einer Bilderserie irgendetwas Tolles einzufangen, zB einen Wal der aus dem Wasser springt (was leider auch auf dieser Reise nicht geklappt hat). Wir sehen am Vormittag Orcas, Pazifische Grauwale, einen Mondfisch und Otter – und auch wenn es sich wirklich mal wieder gelohnt hat das zu sehen, muss ich im Direktvergleich mit früheren Touren zugeben, dass die Ausflüge aus Alaska wesentlich ergiebiger waren, sowohl was die Menge an Tieren wie auch die Entfernungen angeht. Aber egal, hier also die Fotos vom Vormittag:
Der Mondfisch (Mola Mola, im Englischen Ocean Starfish) ist einer der schwersten Knochenfische der Welt und kann bis zu über 2 Tonnen(!) schwer werden. So gross ist unserer heute nicht, aber es ist schon ein ordentliches Kaliber. Der Mondfisch schwimmt knapp unter der Wasseroberfläche um Sonne bzw Wärme zu tanken. Blöderweise habe ich mein Polfilter im Hotel gelassen, somit spiegelt das Wasser leider und man sieht das Tier nicht richtig.
Wir kommen mit gut 15 Minuten Verspätung wieder im Hafen an, somit bleibt mir eine knappe halbe Stunde für einen schnellen Lunch im Ort, bevor ich mich für die Nachmittagstour parat machen muss. Ich laufe zuerst nochmal kurz ins Office meines Anbieters, und bitte darum, am Nachmittag auch wieder auf das Boot mit der kleinen Gruppe zu kommen. Danach gibt es einen schnellen Schinken-Käse-Croissant und einen Kaffee in der Nachbarschaft, und dann geht es auch schon los.
Meine Bitte wurde erhört und ich bin wieder bei Captain Scott auf der WASCO. Er macht sich selbst darüber lustig, dass ich einen Teil seines Routineprogramms schon kennen würde, und tatsächlich erzählt er die erste Viertelstunde genau das Gleiche wie am Morgen. Aber was will man bei 3 Touren pro Tag auch anderes machen?
Bei der Wal-Tour heute morgen sind wir nach links aus dem Hafen herausgefahren und effektiv also am Rand des offenen Pazifiks (um den Captain zu zitieren “von hier aus gesehen ist das nächste Stück Land Japan”); für die Bärentour biegen wir nach rechts ab. Auch das ist Salzwasser, also Teil des Pazifiks und kein Fluss, aber durch die zahlreichen Buchten gibt es viel mehr Möglichkeiten für gute Sichtungen. Ein Grossteil der Inseln sind auch komplett unberührt, so dass die Tiere dort ihre Ruhe haben.
Nach 20 Minuten geht es wie am Vormittag an die Platzverteilung im Aussenbereich, und ich habe die gleiche Strategie wie heute morgen gewählt, und erwische wieder meinen Lieblingsplatz direkt in Reihe 1.
Die Ausflugsboote sind anbieterunabhängig alle miteinander in Funkkontakt, und informieren sich gegenseitig über Tiersichtungen, und so hören wir bald von einer Stelle am Ufer, an der ein kleiner Schwarzbär unterwegs ist. Wir sind relativ weit weg vom Ufer und nähern und vorsichtig; laut Scott ist der Bär erst einjährig und noch recht scheu, und dann verschwindet er relativ zügig im Unterholz.
Macht aber nichts, damit haben wir auf jeden Fall schonmal den ersten Bären der Tour gesehen!
Über eben diesen Funkkontakt hören wir auch recht schnell von einer weiteren Sichtung; eine Bärenmama mit einem Jungen ist nur ein paar Minuten entfernt von uns am Ufer gesichtet worden.
Als wir dort ankommen sind schon einige andere Tourboote vor Ort, aber alle lassen sich Platz und gehen auch nicht zu nahe an die Tiere heran, um sie nicht zu erschrecken, das läuft also vorbildlich. Laut Scott ist das Junge erst dieses Jahr geboren worden, und daher noch recht klein. Bärenkinder bleiben 2 Jahre bei ihrer Mutter bevor sie auf sich allein gestellt überleben müssen.
Wir verbringen am Ende unsere gesamte restliche Zeit hier, fast eine Dreiviertelstunde, um die Beiden zu beobachten, und das erweist sich als gute Entscheidung. Einige der anderen Boote düsen zwischendurch wieder weg, um eine andere Sichtung zu verfolgen; wie wir später hören ist der Bär dort aber bereits wieder im Unterholz verschwunden bis sie angekommen sind, während wir in der Zwischenzeit noch mehr von unserem Bärenpaar zu sehen bekommen. Auch sonst ist unser Timing gut; als wir zeitbedingt aufbrechen müssen, haben wir schon gut 10 Minuten nichts mehr von den Bären gesehen (ausser wackelnden Ästen im Hintergrund und dem Geräusch von brechendem Umterholz).
Auch diese Tour endet mit etwa 15 Minuten Verspätung, was vermutlich der Tatsache geschuldet ist dass unser kleines Boot nicht so schnell die Distanzen zurücklegen kann wie das grosse Schwesterschiff; ich bin aber überzeugt, dass die kleine Gruppe (trotzdem? oder auch deswegen?) eine sehr gute Wahl war.
Keine 10 Minuten später bin ich zurück am Hotel, und obwohl ich mich (in der Reihenfolge) auf eine Dusche und dann Dinner in der hoteleigenen Bar freue, gehe ich erstmal noch an den Chesterman Beach, der zum Inn gehört – das Wetter ist so schön, dass ich gerne noch ein paar Aussenaufnahm,en vom Hotel machen will. So schön wie die Prospektfotos bekomme ich es aber nicht hin, denn die sind mit Sicherheit aus einem Wasserflugzeug gemacht worden. Laut der offiziellen kanadischen Dronen-App ist hier zwar Fliegen mit Auflagen erlaubt, aber man sieht schon des Öfteren Wasserflugzeuge in niedriger Höhe über die Bucht fliegen, das ist mir dann doch zu riskant.
Gegen halb sieben gehe ich in die Hotelbar “On the Rocks” (passend zur Lage des Inns auf einer Felszunge); auf auswärts essen habe ich heute keine Lust mehr, und Essen und Getränk hier sind auch heute wieder ausgezeichnet.
Den echten Sonnenuntergang verpasse ich auch heute wieder, aber ich erwische zumindest noch ein paar schöne Schnappschüsse zum Ende hin.
Und das war es für heute! Morgen ist erstmal Ausschlafen angesagt, am Nachmittag habe ich noch eine zweite Bärentour mit einem anderen Anbieter gebucht, auch wenn der Wetterbericht für morgen inzwischen nicht mehr so optimistisch aussieht wie der für heute, und abends gehe ich nochmal ins Pointe Restaurant hier im Haus für ein ordentliches Dinner.
Unterkunft: Wickaninnish Inn, Tofino
Gefahrene Km: 10
Schritte: 7’607
Fotos: 1’324
























































































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