Vorweg: der heutige Tag war fototechnisch nochmal sehr ergiebig – über 2’000 Aufnahmen warten heute darauf, gesichtet, entwickelt und auf die besten 100 fokussiert ausgewählt zu werden. Das klappt unmöglich an einem Abend, also mache ich es wie auch schon auf früheren Reisen wieder so, dass es heute nur den Tagesbericht selbst mit einer kleinen Auswahl an Bildern gibt. Die grössere Bilderauswahl folgt dann in den nächsten Tagen.
Nach der Doppeltour gestern mit Walen und Bären hatte ich ja mal kurz überlegt, ob sich die Bärentour mit dem Zodiac heute überhaupt lohnt, und dann hatte der Tag an sich auch gar nicht mal so gut begonnen. Ich bin nicht 100% sicher woran es am Ende lag, aber ich vermute dass der Orangensaft aus meinen Vorräten, den ich gestern abend noch ausgetrunken hatte, mangels durchgängiger Kühlkette auf dem Roadtrip einen leichten Schlag hatte. Jedenfalls hat mich das dann noch bis gegen 4.30 Uhr morgens wach gehalten, und dementsprechend weniger fit war ich am Morgen.
Ich stehe daher auch erst gegen halb elf auf, und stelle fest dass das Wetter ziemlich gut aussieht. Ich lasse es aber langsam angehen und hole mir erstmal aus dem hoteleignen Café einen Ingwertee und ein Croissant, und setze mich eine Stunde an den Strand.
Im Lauf des Vormittags wölkt es sich dann allerdings doch ein:
Anschliessend gibt es nochmal ein Nickerchen, und als ich gegen 14 Uhr aufstehe fühle ich mich eigentlich wieder ziemlich fit. Ich hatte mir bis jetzt noch vorbehalten, ob ich die Bärentour wirklich mache (zum Stornieren ist es eh zu spät gewesen) – am Vormittag war der Ausblick darauf, 3 Stunden auf einem Schlauchboot über die Wellentäler der hiesigen Pazifikausläufer zu hüpfen, noch eher unangenehm.
Nachdem ich mich aber soweit gut fühle breche ich nach Tofino auf; unterwegs tanke ich den Wagen für meine Fahrt nach Vancouver übermorgen schonmal wieder voll, und finde dann nach etwas Suche auch einen guten Parkplatz nur 5 Minuten von unserem heutigen Anbieter entfernt, so dass ich pünktlich um 15 Uhr vor Ort eintreffe.
Das Zodiac bietet Platz für 12 Passagiere, und so viele sind wir heute auch. Als Erstes geht nochmal jeder ums Eck, und schlüpft dann in einen der vor Ort bereitgestellten Overalls. Diese bieten einerseits Schutz gegen Wind und Wasser, und sind andererseits auch schwimmfähig, so dass wir keine zusätzliche Schwimmweste benötigen. Und auch heute behält MeteoBlue mal wieder Recht: es ist zwar bewölkt, aber es bleibt trocken, und zwischendurch haben wir auch mal stellenweise blauen Himmel und Sonnenschein mit gutem Licht. Pefekt für so eine Tour heute!
Unten am Hafen weisst uns Jazz, unsere Guide auf der Tour heute, in die Details des Zodiacs ein, und platziert uns anschliessend auf den Sitzbänken (ein Unterschied zu dem Zodiacs die ich aus Spitzbergen kenne; dort sind wir einfach auf den Aussen”wänden” der Boote gesessen, hier gibt es massive und auch bequeme Sitzbänke). Ich habe wie sich zeigen wird auch heute wieder grosses Glück mit der Sitzplatzzuweisung – ich bekomme den rechten Aussenplatz auf der zweiten Sitzbank von vorne. Besser wäre es nicht möglich gewesen; die erste Reihe bekommt den meisten Fahrtwind ab, und fast alle Sichtungen am heutigen Tag werden auf der rechten Seite unseres Boots sein, d.h. ich habe bis aus 1-2 Ausnahmen immer unverbaute Sicht auf das Geschehen. Perfekt!
Dann geht es los; zunächst fahren wir wieder gute 20 Minuten mit ordentlichem Tempo übers offene Wasser (und mir ist plötzlich recht egal, dass die Overalls nach Öl riechen und etwas schmierig sind – hauptsache winddicht!). Bereits in der ersten Bucht haben wir Glück, und Jazz erspäht eine Bärenmama mit 2 Jungen. Wir sehen sie nur kurz, dann verschwinden die Drei zwischen den Bäumen.
Jazz wartet ein paar Minuten ab und möchte dann weiterfahren; mir fallen wieder die Worte von unserem Captain Scott gestern ein, dass erfahrenere Guides oft geduldiger sind, und lieber mehr Quality Time mit den Tieren möchten als möglichst viele Sichtungen zu erreichen. Exakt in dem Moment, als Jazz den Motor anmacht um loszufahren, marschiert die Bärenmama wieder aus den Bäumen heraus, und damit ist unsere Abfahrt vergessen. Wir bleiben sicher noch gute 10 Minuten hier und schauen den Bären zu, wie sie Steine am Ufer umwälzen um Muscheln, Krabben etc. zu finden, bevor sie sich wieder ins Unterholz verziehen.
Ein erster Eindruck von Bärenmama und Jungem – mehr Fotos folgen dann noch separat.
Wir wechseln anschliessend noch einige Male den Beobachtungsplatz entlang der Küste, und haben wirklich viel Glück – ingesamt sehen wir 8 Bären, davon 1 Jährling, sowie 2 junge Bären, die dieses Jahr geboren wurden.
Nach den Bärensichtungen will uns Jazz noch eine Felsinsel zeigen, auf der sich Seals (Robben) befinden. Im ersten Moment sehe ich die Tiere gar nicht, sie sind für diese Umgebung wirklich fast perfekt getarnt. Erst wenn man weiss, wonach man suchen muss findet man sie, dann aber in rauhen Mengen.
Ungewöhnlich und auch für die Guides sehr selten zu sehen: eine der Robben ist gerade beim Gebären. Auch wenn der Vorgang an sich meistens nur einige Minuten dauert, warten wir das nicht ab; Jazz manövriert uns recht schnell ausser Sicht, um das Tier nicht durch unsere Anwesenheit zu stressen.
Danach suchen wir noch nach Ottern, und finden auch wenig später 2 Tiere. Hier jetzt aber erst mal noch eine kleine Vorauswahl an Fotos.
Nachdem ich ja wie gesagt nach gestern einige Zweifel gehabt hatte, ob sich die Zodiac Tour heute noch lohnt, muss ich sagen: es hat sich auf jeden Fall mehr als nur gelohnt! Die Zodicas sind zwar unbequemer, und man sitzt direkter in Wind und Wetter, aber dafür sind die Schlauchboote wesentlich schneller, wendiger und unaufdringlicher – wir kommen also viel näher und einfacher an die Tiere heran als gestern, und sehen damit auch wesentlich mehr.
Auch auf dieser Tour sind wir mit einer guten Viertelstunde Verspätung zurück am Hafen; schön dass sich alle Tourguides genügend Zeit nehmen und nicht hetzen!
Zurück beim Veranstalter geben wir unsere Overalls retour und freuen uns noch zusammen an der schönen Tour.
Interessanterweise war ich der Einzige(!) der mit Kamera unterwegs war, alle Anderen hatten zwar wenigstens teilweise noch Ferngläser, aber die Meisten haben tatsächlich Fotos und Videos nur mit ihren Smartphones gemacht.
Nichts gegen die Qualität der heutigen Kameras in den Telefonen (ich habe auf dieser Reise Stand heute auch schon über 1’000 Bilder mit dem iPhone gemacht), aber was die Dinger einfach nicht können ist Distanz – die Physik lässt sich da nicht überlisten. Natalie, eine der Mitreisenden aus Calgary, zeigt mir eines ihrer Bärenkinderbilder, und es ist Dank 15x Digitalzoom zwar bildschirmfüllend, aber auch komplett unscharf und verwaschen. Auf ihre Frage hin zeige ich ihr ein paar der Fotos auf meiner Kamera, und direkt danach habe ich 2 neue Whatsapp-Kontakte von Mitreisenden, die sich über Fotos von der Tour freuen würden 🙂
Gegen 19 Uhr bin ich zurück am Hotel, und freue mich mal wieder über eine heisse Dusche, um das Salzwasser und den Overallgestank loszuwerden. Bevor ich zum Dinner aufbreche, passt es zeitlich gerade noch perfekt für ein paar Impressionen vom Sonnenuntergang, auf den ich von meinem Balkon aus wirklich den perfekten Blick habe.
Das Dinner im Pointe hatte ich morgens noch abgesagt, als ich nicht sicher war wie fit ich abends sein würde, also gehe ich wieder in die On the Rocks Bar im Hotel. Jamie, meine Host von gestern, hat heute auch wieder Dienst, und wir plaudern ein bisschen während ich bei Steak Frites und einem grossen Bier den Tag ausklingen lasse.
Morgen ist nicht nur mein letzer voller Tag in Tofino, sondern auch der letzte richtige Urlaubstag – am Mittwoch steht die Rückreise “on the road” zurück nach Vancouver auf dem Plan, und am Donnerstag nachmittag geht der Flieger nach Zürich. Das sind dann vor allem Tage die aus Abwarten bestehen, aber das ist halt auch Teil der Reiserei.
Morgen habe ich meine besonderen Pläne; einerseits ist die Wettervorhersage schlecht und prognostiziert Regen, andererseits heisst es morgen, alles langsam wieder in die 2 Koffer packen. Und dann habe ich ja noch gut 2’000 Bilder zur Durchsicht! Langeweile wird also keine aufkommen.
Unterkunft: Wickaninnish Inn, Tofino
Gefahrene Km: 10
Schritte: 6’008
Fotos: 2’134






































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