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Ciao Bella (Coola)

Heute geht meine Zeit in Bella Coola also bereits zu Ende; in der Sommersaison fährt alle 3 Tage eine Autofähre in knapp 10 Stunden von Bella Coola nach Port Hardy auf Vancouver Island, und legt dabei rund 260 Kilometer auf See zurück. Da diese Verbindung im Sommer in der Regel ausgebucht ist, wird eine Vorausbuchung dringend empfohlen, weshalb ich das im April bereits erledigt hatte (wenn auch erst nach einigen Hürden).

Nach Vancouver Island gibt es keine Brückenverbindungen, d.h. man muss in jedem Fall eine Fähre (oder den Flieger) nutzen. Zwischen Vancouver und Nanaimo liegt die kürzeste Fährenroute, die mehrmals täglich fährt, und die ich am Ende meiner Reise auch nutzen werde – aber das hätte von Bella Coola aus einen Umweg von 1’300 Kilometer über Land erfordert. Es ist mir also sehr daran gelegen, dass ich diese Fähre heute erreiche! 

Da hilft es natürlich auch nicht, dass mir Diane im Eagles Nest erzählt hatte, dass erst im August just das Schiff, mit dem ich heute gebucht bin, für 10 Tage ausgefallen war, weil ein Öl-Leck an einer der Schiffsschrauben repariert werden musste. Und da es keine Ersatz-Fähren auf Lager gibt, ist die Fährverbindung damals dann eben für 2 Wochen einfach ausgefallen, was alleine bei ihr rund 40 Stornierungen von Kunden bedeutet hat, die dann eben nicht mehr vorbeikommen konnten. 

Ausserdem kann ich mir ja sowieso ganz wunderbar Szenarien im Kopf ausmalen, und das Naheliegendste davon wäre natürlich, dass ich am Morgen irgendwann entspannt aufwache und feststelle, dass ich verschlafen habe und die Fähre weg ist :O Damit mir das nicht passiert, habe ich 2 verschiedene Wecker für 3.45 Uhr gestellt, und es gestern abend auch geschafft, bereits kurz vor 22 Uhr im Bett zu liegen. Am Ende ist auf meine innere Uhr aber auch Verlass, und ich wache 2 Minuten vor dem ersten Wecker auf. 

Danach läuft soweit auch alles nach Plan; ich verlasse kurz nach 4.30 Uhr das Thunder Mountain Gelände, und mache mich über wirklich stockdunkle Strassen auf den Weg nach Bella Coola. Hier gibt es weder Strassenbegrenzungslinien, noch Pfosten mit Reflektoren, noch Lampen – es ist einfach NACHT. Erst wenn man näher an den Ortschaften ist gibt es starke Lampen, die zur Unfallvermeidung zumindest die grossen Querstrasseneinmündungen auf den Highway ausleuchten. 

Die Fähre fährt offiziell um 7.30 Uhr ab; die Vorgabe von BC Ferries ist aber, dass man 120 Minuten vorher am Check-in ist, und ab 90 Minuten vorher die Reservation verfällt. Ich hatte mich im Vorfeld noch gefragt ob das wirklich so gehandhabt wird, vor Ort wird aber schnell der Grund klar. Die Fahrzeuge sammeln sich aus Platzgründen nicht am Fährhafen selbst, sondern auf einem grossen Parkplatz in Bella Coolas “Zentrum”. Als ich Punkt 5.30 Uhr dort ankomme sind schon ein paar Fahrzeuge vor mir hier, und ein Mitarbeiter von BC Ferries organisiert die Aufstellung nach Fahrzeuggrössen und die Ticketprüfung. 

Als der Mitarbeiter zu mir tritt fällt mir direkt sein deutscher Akzent auf, und tatsächlich kommt er ursprünglich aus Deutschland, arbeitet aber schon seit vielen Jahren bei den Fährbetrieben. Während er noch meinen Namen in seinen Listen sucht, kommt ein Wohnmobil entgegen der Beschilderung, auf der falschen Seite und über einen der Sortierungs-Streifen auf den Parkplatz geschossen. Er geht den Fahrer kurz massregeln und winkt ihn ein, dann setzt er die Suche nach meinem Ticket fort und meint nur lapidar “warum manche Leute nur so ungeduldig sein müssen… und meistens sind es dann auch noch Deutsche” 🙂  Irgendwann findet er mich dann auf seinen Listen, und gibt mir mit, dass ich um 6 Uhr parat sein soll, danach fahren die vorsortierten Fahrzeugreihen von hier im Konvoi zu Fähre weiter. Daher also diese Zweiteilung der Zeitvorgaben in 120 und 90 Minuten vor Abfahrt. 

Während ich auf 6 Uhr warte, fährt kurz vor Schluss neben mir ein anderer Mietwagen vor, der mir bekannt vorkommt, bzw eigentlich ja der Hund, der dann mit seinen beiden Menschen aus dem Auto steigt.  Es sind 2 Nachbarinnen vom Thunder Mountain mit ihrem Hund Freya, und offenbar sind die Beiden entspannter als ich heute morgen hierher gefahren. Später erfahre ich dann, dass sie eigentlich ganz kurz nach mir los gefahren sind, aber dann die ganze Zeit hinter langsamen RVs festgehangen haben, und bei der Dunkelheit und dem gelegentlichen Wildwechsel ist überholen einfach nicht drin.  

Auf dem Parkplatz sammeln sich die Fahrzeuge:

Die Konvoifahrt zum Hafen:

Das Einsortieren der Autos in die Fähre dauert etwas, weil die Mitarbeiter die verschiedenen Fahrzeuge kunstvoll ins Schiff verteilen und die Fahrer jeweils einweisen – bis das Tetris-Spiel vollendet ist, ist es schon knapp 7 Uhr. 

Blick vom Aussichtsdeck:

Der Weg, den wir heute vor uns haben:

Quelle: Google Maps

Keine Ahnung, ob es am frühen Aufstehen liegt, der vielen frischen Luft an Deck, oder daran dass ich wie im Flieger auch hier auf dem Schiff direkt einnicke bevor wir auch nur abgelegt haben, auf jeden Fall werde ich die halbe Fahrt nicht richtig wach. Das geht allerdings auch vielen Anderen so, die meisten Passagiere hängen in ihren Sitzen und schlafen. Ab und zu gehe ich hoch aufs Aussichtsdeck und fange ein paar Eindrücke ein; das Wetter ist heute fast durchgehend super, nur einmal bekommen wir für anderthalb Stunden etwas Nebel und schwereren Wellengang, aber auch diesen Teil verschlafe ich grösstenteils. 

Einmal weckt mich etwas Unruhe in den Nachbarreihen, und mehrere Leute mit Kameras und Ferngläsern gehen zügig nach draussen; ich also direkt hinterher, und tatsächlich erspähren wir einen Wal in der Nähe – zwar nur sehr kurz, aber immerhin.  

Hier also die Eindrücke von unterwegs. 

Und dann sind wir auch schon am Ziel, und laufen um 16.30 Uhr am Fährhafen von Port Hardy ein. Statt der urspünglich im Plan ausgeschriebenen Zeit von 10.5 Stunden haben wir nur 9 Stunden gebraucht, was sicherlich auch dem fast durchwegs guten Wetter geschuldet ist.

Da ich als einer der Letzten mit dem Auto aufs Schiff gekommen bin, gehöre ich nun zu den Ersten, die es verlassen dürfen – willkommen auf Vancouver Island! Das Wetter ist heute nochmal richtig gut, man merkt im Unterschied zu den letzten Tagen aber sofort das höhere Verkehrsaufkommen. Immer noch alles sehr entspannt, aber kilometerweise allein unterwegs zu sein hat man hier dann doch nicht mehr.

Ich brauche noch etwas über 40 Minuten ab Port Hardy bis zu meinem Ziel für heute, und meiner Unterkunft für die nächsten 3 Nächte: die Orca Lookout Cabin #2 in Telegraph Cove. Auch wieder via AirBnB gebucht, hatte ich diese Unterkunft ausgesucht, weil sie als Einzige auf der ganzen Reise mit Waschmaschine und Trockner ausgestattet ist. Und da heute bereits Tag 10 ist und ich damit bereits “Bergfest” für diese Reise hatte, kommt das zu einem guten Zeitpunkt.

Was mir aus den Fotos bei AirBnB nicht klar geworden war, ist wie gross die Anlage effektiv ist – es stehen dutzende Camper und RVs hier, und es hat sicher 20 verschiedene Cabins, die wie eine kleine Wohnsiedlung oben am Hang nebeneinander gebaut worden sind. Die Bilder sind zwar nicht falsch, und die Cabin ist prima eingerichtet mit einem tollen Blick auf die Bucht, aber es ist alles andere als einsam hier. Egal, wie immer Jammern auf sehr hohem Niveau!

Oben im letzten Foto sieht man noch den roten Food Truck der zur Anlage gehört, aber offenbar für diese Saison bereits eingemottet wurde – er ist laut Anschrieb zumindestens “vorübergehend geschlossen”. In Telegraph Cove hat es sonst auch nicht viel im Angebot, aber nur 15 Minuten entfernt liegt Port McNeil, und dort hat es doch etwas mehr Auswahl. Für heute nehme ich mir gerne etwas mit zu Essen mit “nach Hause” statt ins Restaurant zu sitzen, und so fällt meine Wahl auf Pemba’s Coastal Kitchen, ebenfalls ein Food Truck und Empfehlung von Google Maps.

Zurück in der Cabin geniesse ich erstmal den Cheeseburger mit Fries und ein kühles Bier, und danach den Sonnenuntergang über der Bucht. Schon sehr schön hier 🙂

Über das Programm für die nächsten Tage habe ich mir noch keine grossen Gedanken gemacht; der Wetterbericht ist etwas unschlüssig, was hier bestes Wetter heissen kann, aber auch kalt und bewölkt .. ich werde morgen also mal spontan schauen, und allenfalls einen Ruhetag einlegen. Eine Whale Watching Tour wäre auf dieser Reise ja auch noch eine gute Sache, und so sehr viele Möglichkeiten dazu bieten sich ja nicht mehr. Mal schauen, es wird sich bestimmt etwas finden!

Unterkunft: Orca Cabin #2, Alder Bay RV Park & Marina, Telegraph Cove, Vancouver Island (via AirBnB)
Gefahrene Km: 120
Schritte: 5’231
Fotos: 289