Vorbemerkung
Heute war ich tatsächlich etwas zwiespältig, wie vollständig ich meinen Tagesbericht schreiben soll. Ich bin am Nachmittag in eine Vollsperrung wegen eines Unfalls gekommen, der mich doch noch recht beschäftigt hat (auch wenn ich zum Glück weit weg von allem war, und nur indirekt mitbekommen habe worum es ging). Das passt natürlich nicht zu der guten Grundstimmung, die meine Urlaubsberichte normalerweise haben, aber das war heute nunmal auch Teil des erlebten Tages. Und ich versuche ja immer, meine Berichte so zu schreiben, dass man die Tage nachvollziehen kann. Daher also hier der heutige Bericht in kompletter Fassung.
Der Roadtrip beginnt!
Gestern abend hatte ich dann doch bis 21 Uhr durchgehalten, umgerechnet ist das ja immer noch 6 Uhr morgens gefühlter Zeit. Als ich dann ins Bett bin war ich auch sofort eingeschlafen, dafür aber um 4 Uhr bereits wieder hellwach. Nach einer Stunde lesen konnte ich nochmal etwas dösen, bis um 7 Uhr der Wecker geklingelt hat, und dann war die Nacht wirklich zu Ende.
Der Wetterbericht hat leider erstmal recht behalten, Vancouver begrüsst mich heute morgen mit Wolken und kühlen 13 Grad.
Um 9 Uhr nutze ich den Fast Checkout via Email und verlasse das Fairmont; nach nur wenigen Minuten vor dem Gebäude sehe ich auch schon einen SUV mit grossen “FarOut Wilderness” Aufklebern vorfahren – Sam ist pünktlich mit meinem Toyota 4Runner angekommen. Wir fahren etwa 10 Minuten, bis wir einen kostenlosen Aussenparkplatz erreichen. Dort erklärt mir Sam das Auto, vor allem wie man die verschiedenen 4×4 Modi aktiviert und wie man im Bedarfsfall einen Reifen wechselt. Im “Lieferumfang” des Wagens inbegriffen ist ein BearSpray sowie ein GPS Handsendersystem, über das ich im Notfall mit ihnen Kontakt aufnehmen kann, falls ich im Hinterland ohne Handyempfang eine Panne haben sollte.
Trotz der Staufächer bekomme ich mein Gepäck aber problemlos verstaut, überreiche Sam dann noch einen Schwung Schweizer Schokolade als kleines Dankeschön für die Hilfe bei der Reiseplanung, und dann macht er sich auch schon auf den Weiterweg. Vorher klärt er mich aber noch daüber auf, dass heute Feiertag in Kanada ist, und daher viele Läden geschlossen haben. Nachdem mich 2012 ja einmal der Memorial Day in USA kalt erwischt hatte (und ich unvorbereitet 200 USD für ein sonst-50-Dollar-Motelzimmer bezahlen musste, um überhaupt eine Unterkunft zu bekommen) hatte ich mir ja geschworen dass mir so etwas nicht nochmal passiert, aber das heute Labour Day in Kanada ist, war tatsächlich komplett an mir vorbei gegangen!
Für die Unterkunftsplanung macht das heute zum Glück keinen Unterschied weil ich ja alles gebucht habe, aber der Feiertag wird sich nachher doch noch bemerkbar machen.
Mein Wagen für die nächsten 2.5 Wochen – ein Bolide ist es zwar nicht, dafür fehlen ihm schon einige PS, und mit 170’000 Kilometern auf der Uhr ist er auch nicht mehr taufrisch, aber der Wagen ist gepflegt und gut in Schuss gehalten. Und obwohl er offensichtlich schon ein paar Jahre alt ist, hat er trotzdem bereits Apple CarPlay, so dass ich problemlos mit Google Maps vom Handy aus navigieren kann.
Innerhalb von Vancouver ist trotz (oder wegen?) des Feiertages immer noch eine Menge los:
Auf dem Weg nach Norden hatte ich mir einige Aussichtspunkte vorgemerkt, die ich gerne besuchen wollte. Hier macht sich allerdings leider sowohl der Feiertag bemerkbar, wie auch die Tatsache dass die Strecke von Vancouver nach Whistler einfach immer von Touristen überlaufen ist. An allen Punkten, an denen ich halten wollte (aber auch an allen anderen), ist der Teufel los.
Hier mal exemplarisch der komplett zugeparkte Parkplatz in der Nähe eines kleinen Sees. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass das Wohnmobil aus dieser Lücke nochmal herauskommt, solange die Autos so in der Mitte parken?
Immerhin wird dafür das Wetter besser; inzwischen sind wir schon bei 24 Grad angelangt, der Verkehr wird weniger, und bei offenem Schiebedach und Sonnenschein kommt mit meiner Playliste für Roadtrips auf ordentlicher Mitsing-Lautstärke richtig gute Laune auf.
Kurz nach Pemberton wird aus dem gut ausgebauten Hwy 99 eine kurvige Bergstrasse, die sich in Serpentinen in Richtung Lilloeet in die Höhe windet, meinem Ziel für heute. Die ersten Kilometer bin ich in meine Richtung alleine auf weiter Flur, dann habe ich irgendwann 2 Locals in ihren Pickups hinter mir, denen ich offensichtlich zu langsam bin. Ich lasse sie an der nächten Möglichkeit vorbei und fahre auf einen grossen Ausweichplatz, auf dem ich kurz die Drohne steigen lasse.
Ich hole die Drohne wieder nach Hause ins Auto, und mache mich auf den Weiterweg, in der Hoffnung dass die Einsatzfahrten gerade eben kein schlechtes Zeichen waren.
Etwa 20 Minuten danach laufe ich aber auf einen Stau auf, und ein Mann mit “Volunteer” Shirt signalisiert einen Halt. Er erzählt mir dann, dass es die Passstrasse hinunter ein paar Kurven weiter hinten einen Unfall gegeben hat; ein Motorrad ist in der Kurve zu weit über die Mittellinie gekommen und hat dabei ein entgegenkommendes Auto gestreift. Man wartet jetzt auf eine Ambulanz aus Pemberton, die bei den hiesigen Entfernungen und Strassenverhältnissen aber auch eine Zeit lang brauchen werden; er selbst sei schon seit 20 Minuten hier im Einsatz.
Etwa eine Viertelstunde später kommen nacheinander 2 Krankenwagen, ein Notfallarzt und ein Abschleppwagen an unserer Fahrzeugschlange vorbei.
Nach einer Dreiviertelstunde in diesem Konvoi endet aber leider die Contenance bei einigen Mitmenschen schon wieder. Obwohl wir gerade alle anderthalb Stunden wegen eines schweren Unfalls festgesessen haben, setzt bei 2 Zeitgenossen das Hirn aus – ein EV Ford Mustang und ein Mercedes müssen unbedingt Kolonnenspringen üben, um nach und nach die 4 Camper zu überholen. Dass das bei der kurvigen, unübersichtlichen Strasse nicht gerade ein schlauer Plan ist, interessiert sie wenig. Und dass in dem Mercedes, der im Stau vorhin noch direkt vor mir stand, ein Elternpaar mit 2 kleinen Kindern sitzt, macht das Ganze noch unverständlicher. Dass wir den Mustang rund 10 Minuten später wiedersehen, als er sich an einem Aussichtspunkt gerade in eine Parklücke manövriert, überrascht dann aber auch nicht mehr.
Früher wurden die Doofen vom Säbelzahntiger gefressen, heute macht ein Teil von ihnen offenbar zeitgleich mit mir Urlaub.
In der Anfahrt auf Lillooet:
Kurz nach 18 Uhr komme ich dann endlich in Lillooet an. Meine Unterkunft für heute nacht ist eine kleine Cabin auf einem RV Campingplatz, die ich über AirBnB gebucht hatte. Nichts Luxuriöses, ein Zimmer mit kleinem Bad, aber tipptopp etwas ausserhalb vom Ort ruhig gelegen.
Ich frage Jane, die den Campingplatz betreibt, nach einer Empfehlung fürs Nachtessen. Natürlich sind wegen des Feiertags auch nicht alle Lokale offen, aber sie empfiehlt mir die lokale Brauerei, die immerhin bis 20 Uhr geöffnet sein sollte.
Nach einer Fahrt durch das (heute?) menschenleere Lillooet gönne ich mir eine Pizza und ein grosses Bier, das tatsächlich so gut schmeckt dass ich noch 4 Dosen davon für die nächsten Tage “to go” mitnehme.
Gefahrene Km: 318
Schritte: 3’608
Fotos: 244







































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