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Ein kleiner Höhepunkt der Reise stand mit “The Hill” von vornherein fest. Es verirren sich zwar nicht viele Touristen hierher, aber über The Hill findet man trotzdem jede Menge Berichte und Videos im Internet. Der Titel des heutigen Reiseberichts stand also auch schon vorher fest, wobei ich zugegebenermassen dann doch sehr am Schwanken war, das heute wegen eines anderen Höhepunktes nochmal zu ändern. Aber dazu später mehr.

Ein kleiner Exkurs

The Hill wurde in den 1950er-Jahren von den Einwohnern von Bella Coola mit Planierraupen und Sprengstoff selbst in den Fels gebaut, um eine Verbindung zur Aussenwelt zu erhalten. Die einspurige unbefestigte Strasse windet sich in diversen Haarnadelkurven über 18 Kilometer Strecke und 1’500 Höhenmeter vom Heckman Pass hinunter ins Bella Coola Valley. Da sich ein grosser Teil dieses Höhenunterschieds auf wenige Kilometer Strasse konzentriert, kommt man stellenweise auf ein Gefälle von 18% – damit ist The Hill, der heute offiziell Teil des Highway 20 ist, die steilste öffentliche Strasse Kanadas. Inzwischen wird The Hill auch von der Provinz British Columbia verwaltet, das ändert an der schmalen Strassenführung aber natürlich nichts. 

Start in den Tag

Heute nacht war es also tatsächlich das erste Mal auf dieser Reise unter 0 Grad; zwar nur knapp mit minus 1, aber immerhin. Wie in den letzten Tagen auch habe ich mich heute wieder um 8.30 Uhr zum letzten Mal frühstücken im Eagles Nest angemeldet, und der Morgen empfängt mich mit klarem Himmel, Sonnenschein und Nebel über den Wassern.  

Das Frühstück ist wie gewohnt lecker, und da ich davon ausgehe, dass ich heute abend im Bella Coola Valley nicht so gut speisen werde wie die letzten Abende, habe ich das Frühstük nochmal deftig gebucht – Omlette, Bratkartoffeln und Toast, dazu etwas Obst und einen Riesenbecher Kaffee.

Danach packe ich meine Siebensachen wieder ins Auto, bemerke gerade noch rechtzeitig dass ich beinahe die Alkoholvorräte im Kühlschrank zurückgelassen hätte, und begleiche meine Schlussrechnung bei Diane. Dafür dass die 3 Nächte im Eagles Nest bei der Reiseplanung eigentlich eher eine “Notlösung” waren, um das Timing mit der Fähre und Unterkunft in Bella Coola auszubalancieren, hat sich das als ein richtiger Glücksgriff erwiesen. 

Den Weg bis zum Heckman Pass bin ich ja vor 2 Tagen schonmal gefahren, heute macht das bei den Wetterbedingungen aber einfach nochmal mehr Spass. Hier ein paar Eindrücke:

Und dann geht es los, ich betrete (bzw befahre) The Hill. 

Ja, die Streckenabschnitte sind zum Teil schon recht steil, aber mit der Automatikvorwahl auf den 2. Gang geht das gut. Und ja, stellenweise ist die Strasse schon schmal, aber es hat wenig Verkehr, genügend Ausweichbuchten, und alle fahren entspannt. Und zugegebenermassen ist es bergab deutlich angenehmer zum Fahren, weil man fast immer an der Innenseite direkt am Berg unterwegs ist, und nicht auf der anderen Seite wo man ins Tal hinabsehen kann (Hello Vertigo my old friend!)

Ganz spannend finde ich allerdings, dass meine Strecke von Dienstag, vor allem der Teil über den Mission Mountain Pass nach Seton Portage hinunter, mir sehr viel anspruchsvoller vorkam – das war also eine hervorragende Vorbereitung bzw. Übung für The Hill!

Ich rolle also langsam in Richtung Bella Coola, als ich ungefähr auf halber Strecke den Hill hinab weiter unten ein Auto entgegenkommen sehe, das 5 Kurven von mir entfernt in einer Haltebuch anhält. Ich wundere mich noch, eigentlich hätte der Bergauffahrende ja Vorfahrt – bis ich um die nächste Kurve komme und sehe, was der Grund für den Halt gewesen ist: eine Bärenmama mit 3 Jungen läuft gemütlich die Strasse des Hills hoch!

Und da ist es also, mein Highlight des Tages:

Nachdem die 4 Bären an mir vorbei sind rolle ich langsam zu dem anderen Auto weiter, das unten angehalten hatte, und freue mich zusammen mit der Familie im SUV daran was wir eben gesehen haben. Ich sage noch spasshaft dass ich überlege, nochmal zu wenden um mehr Fotos zu bekommen, woraufhin die Anderen finden, also das würden sie auf jeden Fall auch machen. 

Ich wende also in gefühlt 18 Zügen an der nächsten Ausweichbucht, und fahre langsam wieder bergauf. Von oben kommt mir ein anderer Einzelreisender entgegen, der auch mit grosser Kamera am Fotografieren ist:

Nachdem wir uns an den Bären “satt” fotografiert haben wechseln wir noch ein paar Worte; der Foto-Kollege hat einen französischen Akzent und ist auch auf dem Weg nach Bella Coola, die Chancen sind also sicher nicht schlecht, dass wir uns nochmal über den Weg laufen. 

Für mich geht es jetzt aber erstmal weiter nach unten ins Tal; auch den restlichen Teil von The Hill bekomme ich gut bewältigt, und dann bin ich auch schon im Bella Coola Valley! 

Das gute Wetter trägt sicher auch viel dazu bei, aber das Tal ist schon wirklich ausnehmend schön – landschaftlich sowieso, aber auch die Häuser und kleineren Ansiedlungen hier und da sind alle sehr gepflegt (das war auf dem Chilcotin definitiv nicht überall der Fall). 

 Nur rund 20 Minuten nachdem ich das Tal erericht habe kommt auch schon die Belarko Wildlife Viewing Platform. Die Platform wird von der Provinz British Columbia bzw. dem Park Service betrieben, und ist nur im September in Betrieb, wenn die Bären hier auf Lachsfang am Fluss unterwegs sind. Die Plattform ist mit einem Elektrozaun gesichert, wird von 7-19 Uhr betreut, und kann kostenlos genutzt werden. Da das einer meiner Hauptanlaufpunkte für die nächsten Tage hier sein wird fahre ich schonmal kurz hier ab, um mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. 

Während ich mit dem Ranger am Eingang rede kommen noch andere Besucher dazu, darunter auch mein Bären-Foto-Gspänli von vor einer halben Stunde auf The Hill. Das hat also nicht lange gedauert! Wir plaudern noch ein bisschen, dabei stellt sich heraus, dass er ebenfalls aus der Schweiz stammt und (wie er beiläufig erwähnt) eigentlich für ein Mountainbike Rennen in Whistler nach Kanada gekommen ist, bis dahin aber noch ein paar Tage Zeit hat und die spontan für einen Roadtrip nutzt. Ich denke mir nicht viel dazu, google aber später und stelle dann fest, dass es sich dabei um ein UCI Downhill Weltcup Rennen handelt! Niels (so heisst der Kollege) ist also offenbar nicht einfach nur so zum Radfahren hier, sondern Profi oder zumindest ambitionierter Amateur. Unter den bekannten Schweizer Fahrern habe ich ihn zwar nicht finden können, aber falls wir uns die Tage nochmal über den Weg laufen werde ich sicher mal nachfragen 🙂

Nach dem Abstecher zur Viewing Plattform ist es noch zu früh, um in meiner Cabin einchecken zu gehen, also mache ich erstmal eine kurze Mittagspause am Stupendous Viewpoint (netter Name!) mit den Sandwiches, die ich heute morgen noch vom Eagles Nest mitgenommen hatte.

Danach will ich erstmal nach Bella Coola (der Ort, nicht das Tal) fahren, um ein besseres Gefühl für die Umgebung zu bekommen. 

Erst da wird mir klar, wie günstig (bzw ungünstig) meine Unterkunft liegt. Die Thunder Mountain Cabin, die ich bei AirBnB gebucht hatte, liegt nur 11 Minuten von der Wildlife Platform entfernt – perfekt für schnelle Abstecher die nächsten Tage! Aber: bis nach Bella Coola sind es geschlagene 45 Minuten Fahrzeit. Das ist fürs Erste kein Problem, aber wenn ich am Dienstag die Fähre nehme, muss ich um 5.30 Uhr am Terminal einchecken. In Bella Coola. Somit muss ich also um spätestens 4.45 Uhr an meiner Cabin losfahren :O Das wird eine kurze Nacht…

Aber egal, es sind ja Ferien, geht schon irgendwie. Für heute fahre ich erstmal ganz relaxt in den Ort hinein; hier ein paar Impressionen von dort und von unterwegs. Bella Coola hat nur 160 Einwohner, ist also überschaubar. Das ganze Valley hat rund 2’000… es ist also wirklich eine sehr “remote” Gegend!

Inzwischen ist es schon früher Nachmittag, und ich kann guten Gewissens zu meiner Unterkunft für die nächsten Tage fahren. Unterwegs hole ich mir im Bella Café noch einen guten Kaffee, und gelange kurz nach 15 Uhr an Thunder Mountain an. Rebecca führt dort eine interessante Mischung aus Pferdegestüt, Reitschule, und Camp – neben meiner Cabin gibt es noch 3 oder 4 fest aufgebaute Zelte, auf dem Gelände gibt es diverse Beete aus denen sich die Gäste frei bedienen können, macht alles einen sehr sympatischen Eindruck und ist sogar nochmal wesentlich schöner, als die Fotos bei AirBnB gezeigt hatten.

Am Liebsten würde ich mich nach dem Ausräumen des Autos zwar auf der gemütlichen Veranda in die Sonne legen, aber ich will ja jeweils morgens und nachmittags an die Bären-Beobachtungs-Plattform. Der Ranger hatte gemeint, 15-16 Uhr wäre eine gute Zeit am Nachmittag; es ist bereits kurz nach 16 Uhr, aber ich denke bei der Hitze heute (inzwischen wieder 25 Grad, keine Spur mehr vom Nachtfrost!) sind die Bären sicher später unterwegs. 

Ich bin dann erst gegen 17 Uhr am Belarko, und komme dort auf dem Parkplatz direkt mit Mike und Sue ins Gespräch – die beiden sind aus England, schon das vierte oder fünfte Mal hier in Bella Coola, und auch begeisterte Bären-Fotografen. Mike erzählt dann erstmal, dass heute um halb vier tatsächlich ein Bär ganz entspannt hier vorbeigekommen ist! Mist, der Ranger hatte also Recht, und ich bin zu spät hier aufgetaucht. 

Aber egal, ich hatte ja mein Bärenerlebnis heute morgen, das soll für heute reichen. Ich bleibe trotzdem bis 18.30 Uhr an der Plattform, aber es tut sich nichts mehr. 

Ich verabschiede mich von den Engländern, die morgen früh auch wieder hier sein wollen, und fahre zurück in meine Cabin.

Nach einer schönen Dusche und einem Sandwich-Happen zum Dinner (nicht weiter berichtenswert) setze ich mich erstmal noch auf meine Veranda, und mache ich mich an die Sichtung der Fotos und des Reiseberichts – angesichts der vielen Bärenaufnahmen ist das zwar toll, aber nochmal zeitaufwendiger als sonst. Und das, wo ich doch morgen um 6 Uhr aufstehen will damit ich pünktlich um 7 Uhr am Belarko sein kann! Ich werde berichten 😉

Unterkunft: Thunder Mountain Cabin, Firvale (via AirBnB)
Gefahrene Km: 239
Schritte: 8’636
Fotos: 568