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Inzwischen bin ich wohl voll aklimatisiert – heute morgen weckt mich zum ersten Mal der Wecker und nicht meine innere Uhr. Es it zwar erst 7.30 Uhr, aber ich hatte gestern für 8.30 Uhr Frühstück bestellt, und möchte noch ein bisschen Neues aus aller Welt lesen bevor ich langsam in den Tag starte.

Sicherlich der grösste “Aha”-Moment heute morgen ist, dass es über Nacht auf 4 Grad abgekühlt hat. Es ist zwar noch nicht ganz soweit, dass ich mir Sorgen um mein Getränk im Auto machen müsste, aber es wird hier definitiv Herbst. Die nächsten beiden Nächte soll es sogar auf 0 Grad abkühlen, was auf jeden Fall gut für die Indian Summer Verfärbungen der Bäume und Pflanzen wäre.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich genügend Layers eingepackt habe – heute kommen also bereits 3 von 5 vorhandenen Schichten zum Einsatz. Aber ich mag das ja – klar war es prima, vorgestern bei 24 Grad in kurzen Hosen in Salton Portable unterwegs zu sein, aber heute mit offenem Schiebedach und Sitzheizung durch die tolle Landschaft zu cruisen ist schon sehr “meins”. Ich liebs 🙂

Aber ich greife vor; kurz vor halb neun gehe ich dann also die paar Schritte hinüber zum Hauptgebäude; ausser mir ist nur noch ein anderes Pärchen um diese Zeit am Frühstücken, und ich nutze die Gelegenheit, während ich auf mein Frühstück warte, um noch Fotos vom Hauptgebäude zu machen.

Die Bibliothek:

Der Frühstücksraum (inklusive Weinbar):
Während ich frühstücke komme ich mit Diane ins Plaudern; dabei stellt sich heraus, dass sie neu hier in der Gegend ist -sie und ihr Partner haben erst im April das Eagles Nest von den Vorbesitzern übernommen. Diane hatte im Frühjahr hier einige Zeit ausgeholfen, um den Betrieb kennenzulernen, und dann im April das Anwesen gekauft – ungefähr zu der Zeit, als ich meine Buchungen gemacht hatte. Seither bestimmen 16-Stunden-Tage ihren Alltag, aber aktuell ist natürlich auch immer noch Hochsaison, in der man das Geld fürs Jahr verdient, während ab Oktober dann langsam Ruhe einkehrt.

Mein Namenskollege Tim, der mir die etwas unglückliche Auskunft zum Dinner gegeben hatte, war bei den alten Besitzern für die Erhaltung der Anlagen zuständig; wie Diane selbst sagt, gibt es da aber noch sehr viel zu tun, weil über die Jahre hinweg vieles liegen geblieben war.

Gute Seele des Teams und offizieller Begrüsser der Gäste ist Oliver:

Nach dem Frühstück (Skillet / Omlette mit Wurst, Spinat und Feta Käse, super lecker!) melde ich mich direkt für 18.30 Uhr zum Dinner hat. Heute gibt es wahlweise Hackbraten oder Chicken Tuscany; ich wähle letzteres, und weil heute abend viel los sein wird, buche ich mir direkt 18.30 Uhr als Zeit ein.
Diane gibt mir noch eine Karte und ein paar Empfehlungen für Hikes mit auf den Weg, und dann mache ich mich auf auf den Weg. Das gute Wetter überrascht mich etwas, gestern abend war noch Regen / durchwachsenes Wetter vorhergesagt, heute morgen ist es (abgesehen von den niedrigen Temperaturen) aber recht freundlich. Ich hatte somit auch nicht wirklich viel geplant für heute, und folge daher spontan Dianes Empfehlung für einen Ausflug an die etwa 30 Minuten entfernt liegenden Hotnarko Falls.

Hot Narko klingt ja eigentlich eher nach dem Titel einer neuen Netflix Serie, bei denen ein gut aussehender Ermittler gegen Drogenringe vorgeht, aber da ich nichts Bessser vorhabe, warum nicht. Der Weg zum Trailhead führt wieder über Stock und Stein, mit einem normalen Mietwagen wäre ich hier definitiv nicht entlang gefahren.

Quizfrage: Du bist mit einem Allrad-Mietwagen im kanadischen Hinterland auf unbekannter Strecke unterwegs, und vor dir ist eine grosse Wasserlache mit unbekannter Tiefe und Beschaffenheit. Was machst Du?
(A) Ich nähere mich vorsichtig und versuche die Stelle zu umfahren
(B) Ich halte an, steige aus und versuche den Untergrund zu testen
(C) Don’t be gentle it’s a Rental. Ich gebe Gas und freue mich an den Wasserspritzern
Antwort: (C) offensichtlich!
Obwohl mir auf der ganzen Strecke kein einziges Auto begegnet bin ich am “Parkplatz” der Hotnarko Falls dann denooch nicht alleine; ein anderes Fahrzeug steht bereits dort.

Nach der langen Trockenheit im Sommer ist von den “Falls” zwar leider tatsächlich nichts zu sehen, aber die Wanderung zur Aussichtsplattform ist auch so sehr angenehm, und es begegnen mir keine Tiersichtungen (ausser einem Moskito, dem offenbar auch die Kälte der letzten Nacht nichts anhaben konnte).

Als ich zurück ans Auto komme begegne ich zufällig Todd und seinem Hund; Todd gehört das Auto, das bereits am Trail Head stand, und wir kommen kurz ins Gespräch. Letztes Jahr hat er wohl innerhalb einer Woche hier in der Gegend 9 Bären in freier Wildbahn gesehen, dieses Jahr, erzählt er, ist er auch schon seit 5 Tagen hier, und noch kein einziger Bär 🙁 Ich muss also weiter darauf hoffen, in Bella Coola erfolgreich zu sein,

Nachdem Todd aufgebrochen ist lasse ich noch kurz die Drohne für ein paar Bilder steigen, und mache mich dann auch auf den Weiterweg.

Da mir sonst nichts Besseres einfällt fahre ich als Nächstes an den Heckman Pass – das sind nochmal 30 Kilometer weiter in Richtung Bella Coola, und direkt am Beginn von The Hill. Den Hill möchte ich heute war noch nicht befahren, aber ein erster Eindruck von der Strecke dorthin kann nicht schaden. Die Strassenverhältnisse bis zum Pass sind tatsächlich sogar sehr gut, ein Klacks im Vergleich zu der Fahrt nach Seton Lake.
Ich nenne diesen Farbton des Autos “I had a great day outside” 🙂
Danach fahre ich zurück nach Nimpo Lake und tanke den Wagen voll. An der Tankstelle spricht mich ein anderer Kunde an, der die Decals auf meinem 4Runner gesehen hat, und mich offenbar für den Eigentümer der Firma FarOutWilderness hält 🙂 Erst meint er, dass man kaum sehr viel mehr “far out” sein könnte als in Nimpo Lake, dann erzählt er dass ein Grundstück in der Gegend zum Verkauf hat, falls mich das interessiert. Ich kläre ihn dann darüber auf, dass es mir hier zwar sehr gut gefällt, für eine regelmässige Anreise aus der Schweiz doch etwas weit wäre.

Im Anschluss fahre ich noch ein paar Stellen am Fluss (“Dean River”) ab, in der Hoffnung dort Lachse und damit auch Bären zu finden, aber leider vergeblich. Nur ein zutraulicher Vogel hüpft mir ein paar Mal vor die Linse.

Gegen 14.30 Uhr kehre ich zurück ins Eagles Nest; ich bin etwas müde (muss an der frischen Luft liegen) und habe dringenden Bedarf für ein Mittagsschläfchen.

Das Nickerchen tut auch wirklich gut, und nachdem ich wieder halbwegs wach bin und die Fotos des Tages aufs Notebook geladen habe, gehe ich rüber ins Hauptgebäude, mit der Idee, bei einem Glas Wein in der Bibliothek meine Nachbearbeitungen zu machen. Das Vorhaben wird allerdings von Oliver erfolgreich vereitelt; offenbar hat der arme Hund sonst niemanden, der mit ihm spielt 😉 und hat mich schnell als dankbares Opfer auserkoren. Die nächste Stunde spiele ich also mit dem Hund, bevor es Dinner gibt.

Wider erwarten ist um 18 Uhr noch nichts los im Crystal Room; Diane erzählt, dass es einige Absagen und Verspätungen gegeben habe, und sie mich früher als geplant versorgen könnte. Ausser mir sitzt noch eine andere Alleinreisende im Raum; Elizabeth ist Kanadieren und war eine ganze Woche hier. Etwas später gesellen sich auch noch John und Chrissie dazu, das Paar das ich heute morgen beim Frühstück gesehen hatte, und wir plaudern alle ein wenig über unseren Tag bis jeweils das Essen eintrifft.
Einer der Gründe, warum ich das Eagles Nest ausgesucht hatte, waren die sehr positiven Rezensionen über das gute Essen. Der Besitzerwechsel hat dem keinen Abbruch getan, mein Nachtessen (Spinatsalat und eben das Chicken Tuscany) sind sehr lecker – beim Salat hat es nichtmal für ein Foto gereicht. Zum Nachttisch gibt es noch einen Turtle Cheesecake; das ist eine kanadische Variante, bei der man den Cheesecake noch mit Pecan-Nüssen und Caramelsauce abrundet. Mit anderen Worten: der Nachtisch ist nochmal eine gesunde Hauptmahlzeit mit allen 5 Food Groups! Aber wirklich extrem lecker.
Nach dem Dinner setze ich mich nochmal in die Bibliothek, um meinen Reisebericht zu schreiben (und noch ein Glas Rotwein zu trinken).

Diane schaut kurz rein und berichtet, dass sie noch 2 Gäste in Anahim Lake abholen fährt, die dort mit dem Wasserflugzeug eingetroffen sind. Soweit so normal, aber offenbar hatten die Beiden auch angefragt, ob sie den Weg von dort mit dem Heli kommen könnten (!) – da es aber kein Helipad hier gibt, klappt das leider nicht. Diane erzählt, dass das tatsächlich so oft angefragt wird, dass sie bereits überlegt haben, ob sie nicht doch ein Helipad auf dem Gelände installieren sollen. Ich bin definitiv in der falschen Einkommensgruppe für solche Diskussionen!

Während Diane die Beiden abholen fährt, bekomme ich kommissarisch die Aufsicht über die Räumlichkeiten, was aber de facto keinen Unterschied macht – die anderen noch anreisenden Gäste zeigen sich in dieser halben Stunde nicht, und ich schreibe einfach weiter an meinem Bericht.

Die profan nur mit dem Auto abgeholten Neuankömmlinge bekommen dann auch noch etwas zu essen, obwohl es bereits nach 21 Uhr ist (soweit zum Thema “Dinner gibt es nur um 18 Uhr”, gell Tim). Ich schliesse meinen Bericht für heute langsam ab, der Akku vom Notebook ist auch bald leer, und damit geht der Tag langsam zu Ende.

Morgen soll es auch nochmal gutes Wetter werden, keine Ahnung was ich mit dem Tag anfangen werde – aber das ist ja das Schöne am Urlaub, man muss nicht immer einen Plan haben! 🙂

Unterkunft: Eagles Nest Resort, Anahim Lake
Gefahrene Km: (muss ich morgen nochmal schauen. so 180?)
Schritte: 7’558
Fotos: 273