Kurz nach 9 Uhr mache ich mich auf den Weg; heute steht ein relativ langer Fahrtag mit knapp 400 Kilometern an. Ich hätte eigentlich gerne auf halber Strecke noch eine Zwischenübernachtung eingelegt, aber im April bei der Reisebuchung nichts in der Gegend für meine Reisetage finden können. Somit mache ich heute also eine längere (Fahr-)Tour; zuerst geht es von 108 Mile House nach Williams Lake, der letzten grösseren Stadt mit Einfkaufsmöglichkeiten für die nächste Zeit, und von dort weiter nach Nimpo Lake bzw. Anahim Lake, wo ich im “Eagles Nest Resort” die nächsten 3 Nächte bleiben werde.
Die Gegend durch die ich heute fahre heisst “der Chilcotin“, und bezeichnet ein riesiges, raues Hochplateau im Landesinneren von British Columbia. Die Region ist nur sehr dünn besiedelt und bekannt für ihre unberührte Wildnis; also genau das, was ich suche.
Bevor die Fahrerei losgeht brauche ich aber erstmal einen Kaffee; Maps liefert mir das “Rusty Iron Cafe” ganz in der Nähe als Empfehlung, also wird das mein erster Stopp heute. Unterwegs komme ich noch durch weitere Wohnquartiere von 108 Mile House; hier also ein paar Impressionen. Wie man auch sieht, ist das Wetter heute eher durchwachsen.
Nach dem Frühstück mache ich mich dann auf nach William’s Lake; der Ort ist etwa eine Stunde Fahrzeit entfernt, und hat unter anderem einen Walmart Superstore, den ich als Erstes ansteuere. Dort bekomme ich endlich einen Schwung billige Plastikkleiderbügel, die ich am Montag im Safeway vergeblich gesucht hatte (und die immer nützlich sind um Tshirts etc. ins Auto zu hängen). Ausserdem kaufe ich noch flaschenweise Wasser für die Vorratshaltung und ein paar andere Kleinigkeiten
Wie man sieht, das Auto füllt sich – Reisen mit kleinem Gepäck ist eben eine meiner echten Stärken!
Danach steht noch die Frage nach Essen im Raum – bei der Buchung meiner Unterkunft für heute (und die nachfolgenden beiden Nächte) hatte mir Namenskollege “Tim” vom Eagles Nest mitgeteilt, dass es das Nachtessen abends um 18 Uhr gäbe; da ich nicht wusste ob ich das pünktlich schaffen werde, habe ich mir für heute vorgenommen, lieber unterwegs etwas zu essen. Das Howdy Café in Williams Lake scheint gute Sachen to Go zu haben, also hole ich mir dort einen Avocado Wrap, der tatsächlich lecker ist.
Inzwischen ist es bereits nach 13 Uhr, und ich habe noch gute 4 Stunden Fahrzeit vor mir. Meinem Roadbook folgend hätte ich auch noch zwei mögliche Hikes entlang der Route, einmal am Tatla Lake und dann noch am Tatlayoko Lake; beides klingt gut, ich will es aber vom Wetter und der Zeit abhängig entscheiden. Also erstmal ein Audible Audiobook angeworfen, und los geht es.
Eine Frage, die immer mal wieder aufkommt, ist nach dem Unterschied zwischen einem Roadtrip in Nordamerika und (Mittel-)Europa. In Europa ist Autofahren anstrengend, in den Ecken von Nordamerika, in denen ich bisher unterwegs war, finde ich es dagegen entspannend. Tempomat eingestellt, Hörbuch oder Musik an, und dann relaxt ein paar Stunden Kilometer zurücklegen – das geht in Europa einfach nicht (mehr).
Hier sieht man das schön; kurz nachdem ich aus William’s Lake hinaus bin, sieht der Verkehr so aus:
Der Chilcotin ist zwar noch nicht richtig in all den orangeroten Schattierungen des Indian Summer angekommen, aber mit dem Sonnenschein kommen im weiteren Fahrtverlauf auch die glühenden Herbstfarben schön zur Geltung.
Bei Tatla Lake wurde dann nicht nur der Verkehr deutlich weniger, auch das Wetter war wieder richtig gut; dennoch habe ich dann von Hikes abgesehen, einfach weil es schon zu spät wurde und sich die Fahrt nach Nimpo Lake mehr und mehr gezogen hat. Es gibt aber noch einige Impressionen von unterwegs; diverse Stopps zum Fotografieren (und kurz die Drohne hochjagen wo es erlaubt war) lagen also noch drin.
Und dann gelange ich kurz nach 18 Uhr in Nimpo Lake an; positiv: es gibt hier und in Anahim Lake jeweils eine Tankstelle, ich kann den 4Runner also für weitere Tagesausflüge morgen & übermorgen, sowie für die anschliessende Fahrt nach Bella Coola, noch problemlos mit Sprit versorgen.
Kurz hinter Nimpo Lake endet dann allerdings die ausgebaute asphaltierte Version des Hwy 20, und geht in eine Dirt Road über. Besser wird die Strasse von hier an bis ins 140 Kilometer entfernte Bella Coola also nicht mehr!
Und dann bin ich um 18.45 Uhr endlich angekommen! 420 Kilometer habe ich heute zurückgelegt.
Das Eagles Nest hat ein wirklich schön gemachtes Haupthaus; morgen muss ich mal noch Fotos von innen machen – es gibt eine Bibliothek mit viel Holz und dunklen, gemütlichen Möbeln; einen Wintergarten, einen Frühstücksraum, und den “Kristall-Saal” (so genannt wegen des riesigen Kronleuchters) in dem das Dinner serviert wird.
Diane heisst mich willkommen und ist offentsichtlich nicht begeistert von der Aussage ihres Kollegen Tim, wonach es Dinner nur um 18 Uhr gibt; da ich aber immer noch satt von meinem Wrap bin, lehne ich ein entsprechendes Angebot dankend ab, nehme aber dafür das für ein frisches Omlette morgen früh zum Frühstück gerne an. Die Reviews vom Eagles Nest sind voll des Lobes über die gute Küche hier, und da es in der Gegend praktisch eh keine Alternativen gibt, war das mit ausschlaggebend für die Wahl der Unterkunft.
Die Gästezimmer halten dann leider nicht ganz mit der Pracht des Haupthauses mit – meine “Tuscon Suite” ist zwar geräumig, aber doch auch etwas abgewohnt. Andererseits hat das Eagles Nest natürlich einen klaren Standortvorteil, und in der Regel sollte ich ja eh primär nur zum Schlafen (und Fotos sortieren / Reisebericht schreiben) im Zimmer sein. Wie immer Jammern auf hohem Niveau 🙂
Der Wetterbericht für die nächsten beiden Tage ist leider ziemlich durchwachsen, also mal abwarten was wirklich an Programm drin liegt. Es ist hier eh schon deutlich kühler geworden; während ich gestern mittag in Seton Portage effektiv noch bei 24 Grad auf kurze Hosen gewechselt hatte, ist die Temperatur heute von 21 Grad in Williams Lake auf frische 12 Grad im Eagles Nest gefallen.
Gefahrene Km: 420
Schritte: 6’406
Fotos: 327



















































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