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Nachdem die Wettervorhersage für heute morgen eher durchwachsen war, habe ich mir erst gar keinen Wecker gestellt. Kurz nach 7 Uhr werde ich mal wach und werfe einen Blick nach draussen. Er bestätigt: frühes Aufstehen ist heute nicht nötig. 

Ich lege mich also lieber nochmal hin, und schlafe gemütlich aus. Gegen halb elf mache ich mich dann auf den Weg; meine bisherige Planung für heute sieht vor: Frühstück im Bella Café, dann nach Bella Coola um den Wagen vollzutanken, danach zurück zu The Hill (dort wurde gestern erneut eine Bärin mit 2 Jungen gesichtet) und danach ggf. nochmal ein Abstecher an die Belarko Plattform. 

Auf dem Weg in Richtung Bella Café wird das Wetter schon etwas besser, stellenweise reisst die Wolkendecke auf und es lugt blauer Himmel und Sonne durch die Lücken. 

Ungewöhnlich viel Verkehr heute!

Im Bella Café ist relativ viel Betrieb um diese Zeit, aber danach kann ich mich mit meinem frischen Macchiato auf den Weg nach Bella Coola machen.

Die Tankstelle mitten in Bella Coola verkauft den Sprit gute 20 Cent teurer als in Anahim Lake, aber egal – Hauptsache man bekommt hier überhaupt Nachschub!

Ich fahre nochmal zum Hafen hinaus, wo das Wetter inzwischen richtig angenehm geworden ist. Bei knapp 20 Grad lässt es sich gut hier aushalten. Beim Blick aufs Wasser sehe ich etwas, das ich zunächst für ein Stück Treibholz halte, bis sich das Treibholz gegen die Strömung bewegt – es ist tatsächlich eine Robbe!

Leider nur unspektakulär und auch nicht mit einem Schild oder einer Tafel versehen, aber hier endet tatsächlich der British Columbia Highway 20, auf dem ich die letzen Tage seit Williams Lake unterwegs gewesen bin. 

Nach dem Besuch hier in Bella Coola mache ich mich auf den Rückweg, und fahre zum Fusse von The Hill. Natürlich sind dort keine Bären zu sehen; da das Wetter schön ist und es kaum Verkehr hat, beschliesse ich ein paar Kilometer den Hill hinauf zu fahren – vielleicht findet sich ja dort etwas? 

Nach gut 6 Kilometern komme ich an der Stelle an, wo ich hinwärts die Bärenfamilie getroffen hatte. Heute ist von ihnen (oder anderen Bären) nichts zu sehen, wobei das auch wirklich ein Riesenzufall gewesen wäre. Ich halte an einer grossen Parkbucht und lasse kurz die Drohne für ein paar Impressionen steigen, danach mache ich mich wieder auf den Weg den Hill hinunter.  

Nachdem der Tag bisher recht ergebnislos verlaufen ist, zumindest was die Tiersichtungen angeht, halte ich auf dem Rückweg doch nochmal an der Belarko Plattform, auch weil das Wetter inzwischen wieder richtig angenehm und sonnig geworden ist. Ich sehe 3-4 Leute dort, die ich aus den letzten Tagen zumindest vom Sehen her kenne; meine Gesprächspartner aus England sind allerdings nicht hier.

Es ist kurz nach 15 Uhr, und laut dem Park Ranger hat sich seit heute morgen hier nicht viel getan. Ich plane etwa eine Stunde hier zu bleiben, und falls sich bis dahin kein Bär blicken lässt, fahre ich zurück in die Cabin und setze mich dort in die Sonne.

Als ich um 16 Uhr gerade aufbrechen will tauchen meine beiden Engländer auf; sie haben ziemlich genau die gleiche Tour heute gemacht wie ich, nur vertauscht (morgens The Hill, nachmittags Bella Coola) aber mit dem gleichen Resultat: keine Bären. Dafür schwärmen sie davon, dass sie in der Tweedsmuir Lodge heute ausgezeichnet zu Mittag gegessen hätten; nachdem sie beide bekennende Foodies sind ist das ein hohes Lob – leider werde ich keine Chance mehr haben, das selbst auszuprobieren, da meine Zeit in Bella Coola ja zu Ende geht. Aber vielleicht bei einem nächsten Mal?

Wir unterhalten uns eine Weile, ohne dass sich sonst viel tut. Der Park Ranger von gestern ist ebenfalls in Plauderlaune und berichtet, dass es am Vorabend um 19 Uhr, kurz nachdem sie zur Schlusszeit alle Besucher nach Hause geschickt hatten, noch einen grossen Bärenauftrieb gegeben hat: 2 Grizzlys und ein Schwarzbär waren so unvermittelt aufgetaucht und hatten sich gegenseitig beäugt, dass die Ranger das Gelände nicht mehr verlassen konnten, sondern noch eine Dreiviertelstunde ausharren mussten bis die Bahn wieder frei war. Er zeigt uns noch ein Handyvideo, und tatsächlich hatten die beiden Ranger gestern abend in 45 Minuten mehr Bärenaction gesehen als die Besucher in den letzten 3 Tagen zusammen!

Bei uns tut sich ansonsten immer noch nichts. Einer der anderen Besucher steht offenbar via Funk mit einem anderen Fotografen in Kontakt, der plötzlich Bescheid gibt, dass es am zweiten Beobachtungsplatz in der Gegend (dem Fisheries Campground) 3 Kilometer weiter eine Bärensichtung gegeben hat. Zwar nur flussabwärts vom Campground und der Bär ist im Baumschatten, aber immerhin. Der mit dem Funkgerät und ein paar andere Besucher machen sich an einen Ortswechsel, wir anderen beschliessen vor Ort zu bleiben. Eigentlich bin ich inzwischen schon länger über meine selbstgesetzte Deadline hinaus, als sich am anderen Ende unserer Platform etwas tut – und tatsächlich bekommen wir noch einen Schwarzbären zu sehen, der aus dem Walddickicht kommt, zunächst den Fluss durchquert, und dann auf der anderen Seite am Ufer einen Lachs einsammelt, und sich damit zum Fressen ins Unterholz verzieht.

Somit bekommen wir also doch noch ein paar Bärenbilder für heute:

Gegen 18 Uhr wird es mir langsam zu kalt, und ich muss heute einigermassen zeitig fertig werden und für morgen packen, also verabschiede ich mich nochmals von Mike und Sue, sowie dem unterhaltsamen Park Ranger, und mache mich auf den Weg in meine Cabin.

Dort packe ich schonmal alles, was ich heute abend bzw morgen nicht mehr brauche, ins Auto, und esse eine Kleinigkeit zum Dinner, bevor es an die Fotosichtungen von heute geht.

Der morgige Tag wird früh starten: nachdem ich zwischen 5.30 und 6.00 Uhr in Bella Coola für meine Fähre einchecken muss, und das eine Stunde Fahrt von hier entfern ist, heisst es um 3.45 Uhr aufstehen…! Ausserdem werde ich morgen 10.5 Stunden auf der Fähre von Bella Coola nach Port Hardy auf Vancouver Island verbringen, und von dort nochmal eine gute Stunde bis zu meiner Unterkunft in Telegraphe Cove fahren müssen. Ich rechne also damit, dass der Reisebericht morgen spät und erstmal nur sehr kurz ausfallen wird, bis ich übermorgen etwas mehr “Luft” habe um das nachzuholen. Wir werden es sehen!

Unterkunft: Thunder Mountain Cabin, Firvale (via AirBnB)
Gefahrene Km: 172
Schritte: 5’337
Fotos: 240