Abschied von Telegraph Cove
Ich schlafe auch heute nochmal in Ruhe aus; Checkout aus der Orca Cabin geht bis 11 Uhr, der Wetterbericht sagt für den Vormittag noch grau-in-grau voraus, und Campbell River als mein Ziel für heute ist (falls ich direkt Durchfahren würde) knapp 3 Stunden entfernt. Gegen halb elf habe ich den kompletten Hausrat wieder im Auto verstaut, 3x in der Cabin geschaut ob ich auch ja nichts vergessen habe, und mache mich auf den Weg.
Am Morgen ist mir (etwas spät) aufgefallen, dass ich die letzten Tage ja immer nach Port McNeil gefahren bin wenn ich etwas besorgen wollte, aber nicht einmal im eigentlichen Örtchen von Telegraph Cove war. Das hole ich heute nach, zumal es dort “Sally’s Café” mit einem glatten 5-Sterne-Rating gibt.
Auf dem Weg nach Telegraph Cove stelle ich erstmal fest, dass es dort am Wasser ein riesiges Sägewerk bzw Holzverarbeitung gibt – das erklärt auch, warum auf allen Strassen im Umland Schilder am Strassenrand stehen, die vor überlangen Holztransportern warnen.
In Telegraph Cove angekommen bin ich dann so irritiert, dass ich glatt vergessen habe, Fotos zu machen. Der Orts”kern” ist winzig, aber den grössten Teil des Platzes hat man einem kostenpflichtigen Parkplatz eingeräumt. Ich verstehe ja, dass die Leute hier in der Touristensaison Geld fürs ganze Jahr verdienen müssen, aber wenn es hier normalerweise etwas hat, dann ist es Platz – ich habe in den letzten 2 Wochen jedenfalls sonst nirgends für einen Parkplatz bezahlen müssen. Google hat mir aber schon verraten, dass es in Tofino ebenso sein wird, offenbar ist das auf Vancouver Island doch eher üblich.
Sally’s Café befindet sich im lokalen General Store, und die 5 Sterne Bewertungen müssen von Friends & Family gekommen sein – nicht nur, dass es keinerlei Auswahl an Gebäck gibt, der Macchiato ist so bappsüss, dass ich am Ende den Becher halbvoll in den Müll entsorge. Ach, wär ich doch nochmal nach Port McNeil gefahren!
Allerdings hat der Ausflug hier auch schon fast eine Stunde gekostet, und Port McNeil liegt genau entgegen der Fahrtrichtung, also lass ich das sein und mache mich auf den Weg. So wohltuend die beiden letzten Tage Nichtstun auch waren, es ist schön wieder on the road zu sein! Und nach kurzer Zeit klart der Himmel auch nach und nach auf, die Temperaturen steigen von 12 auf 20 Grad.
Mein erstes geplantes Ausflugsziel für heute ist der “Little Huson Caves Regionalpark“, etwa eine Stunde Fahrzeit von meinem Startpunkt entfernt. Die Reviews hatten mich schon vorgewarnt, dass es gut 11 Kilometer Gravelroad mit rechten Schlaglöchern (vor allem auf den letzten anderthalb Kilometern) dorthin sein würde, und so war es dann auch. Immerhin scheint inzwischen wieder voll die Sonne, und die Strecke ist staubtrocken wie man sieht. Gut war ich gestern autowaschen! 🙂
Unterwegs laufe ich auf ein “normales” Auto aus Quebec auf; wie man sich mit dem eigenen Wagen (und dann noch mit so wenig Bodenfreiheit) auf diese Strecke quälen kann verstehe ich nicht, aber sie kämpft sich tapfer und langsam von Schlagloch zu Schlagloch. Überholen liegt nicht drin, und hinerherzockeln ist auch nicht so spannend, also mache ich erstmal Pause und fange diesen schönen See direkt nebenan bildlich ein.
Als ich dann etwa 20 Minuten später am Parkplatz für den Höhlen-Wanderweg eintreffe ist die Quebec’erin auch gerade erst angekommen; ausser ihr haben es noch ein paar andere Wagemutige mit einem Camper(!) hierher geschafft. Die Camperfahrer sehen mich aus meinem Auto steigen und kommen direkt auf mich zu, um mich nach Übernachtungs-Tipps in der Umgebung zu befragen – ist inzwischen sicher das 4. oder 5. Mal auf dieser Tour, dass mich Leute wegen der FarOutWilderness Beschriftung auf dem Auto (und der Adresse auf Vancouver Island) für einen Einheimischen halten. Ich kläre sie dann über die Herkunft des Autos auf (und dass ich ihnen daher leider nicht helfen kann), was sie alle recht lustig finden.
Danach mache ich mich auf den Wanderweg, der wirklich sehr schön und idyllisch ist – allerdings ist aktuell “Restauration Week“, d.h. man arbeitet daran, die Wege zu richten und zu reparieren, und so ist ein Teil der Höhlen nicht besichtigbar. Macht aber nichts, war auch so ein schöner Ausflug, und auf dem Rückweg zum Auto erwische ich zum ersten Mal auf dieser Reise ein Squirrel vor der Kamera (bisher habe ich sie immer nur über die Strasse rennen sehen, aber im Blickfeld hatte sich bisher keines länger aufgehalten).
Nachdem ich wieder zurück auf dem Highway bin, geht es weiter in Richtung Campbell River. Mein zweites Ausflugsziel sind die Elk Falls, die direkt bei Campbell River liegen. Auf dem Weg dorthin komme ich kurz nach einer kleinen Ortsdurchfahrt mit dem schönen Namen Bloedel an einem Panorama vorbei, das so toll aussieht dass ich insgesamt 3x wendend hin und her fahre, bis ich irgendwo halten und ein paar Fotos machen kann.
Abseits der Hauptstrasse fahre ich in eine Sackgasse ein, an der wirklich wunderschöne Anwesen liegen – Fotos mache ich der Privatsphäre zuliebe keine, aber das ist wirklich eine schöne Nachbarschaft, und jedes Haus mit Blick aufs Wasser. Auf einem Schild steht auch der Name der Immobilienfirma, RippleRockEstates – dort finden sich auch ausgewählte Fotos der Anwesen, und der weiteren Baupläne. Offenbar wird das etwas Grösseres …
Die Neugier lässt mich dann nach Preisen googeln, und offenbar sind in der ersten Bauphase (sprich das, was ich jetzt schon live gesehen habe) die Grundstücke ohne Baukosten für 1 Mio CAD (ca. 600k CHF) für 1’600qm verkauft worden.
Nach diesem Abstecher geht es also weiter in Richtung Elk Falls. Aus irgendeinem Grund lässt mich das Navi dann an einer Stelle rechts abbiegen, an der überhaupt nichts zu den Fällen ausgeschildert ist, was sehr ungewöhnlich ist. Ich komme erst durch ein Industriegebiet, dann ein verkehrsberuhhigtes Wohnquartier, und lande dann irgendwann auf einen Gravel Road. Immer noch kein Schild zu den Elk Falls, aber das Navi meint gelassen “in 2 Kilometern bist Du da”. Nunja, Gravel Roads schrecken mich ja normalerweise nicht, aber diese hier ist schon extrem schlaglochreich.
Und dann kommt plötzlich dieses Schild, und ich denke mir nur, “Nee das kann’s echt nicht sein” und drehe wieder.
Eine Viertelstunde später bin ich wieder auf der Hauptstrasse, und siehe da, nun findet mein Navi auch noch den Alternativweg über die guten asphaltierten Strassen. Braucht zwar einige Kilometer mehr, aber ich denke das war eine gute Entscheidung!
Zuerst halte ich an der John Hart Power Generating Station; dort gibt es einen Aussichtspunkt namens “Erna’s Bridge“, von dem ich mir bei dem Namen zumindest eine pittoreske Aussicht erhoffe .. aber nun ja.
Nachdem das alles ist, drehe ich direkt an Erna’s Bridge wieder um, gehe zurück zum Auto und fahre weiter zu den Elk Falls. Der Wander- bzw Spazierweg ist sehr angenehm ausgebaut, dafür sind die Fälle nicht sonderlich beeindruckend. Aber egal, ich bin hier und es ist eine schöne Spazierwanderung. Es gibt auch noch eine Hängebrücke (die Elk Falls Suspension Bridge) zu einem weiteren Aussichtspunkt auf die Fälle, nach ein paar Schritten auf das wacklige Ding meldet sich aber mein Vertigo und überzeugt mich spontan zum Umdrehen.
Inzwischen ist es bereits nach 17 Uhr und ich habe nach einem Müsliriegel zum Frühstück und keinem Mittagessen langsam ein leichtes Hüngerchen, also beziehe ich erstmal meine Unterkunft für heute nacht.
Die “Brass Apple Cottage” ist ein kleines Häuschen, das von ihren Besitzern sehr liebevoll und stimmig eingerichtet worden ist; die Farbe Messing (“Brass”) zieht sich von Griffen im ganzen Haus übers Besteck bis hin zur Deko, und “Apfel” ist sowohl die Form des Türklopfers wie auch die Geschmacksrichtung des Shampoos im Bad 🙂
Schnell geduscht, umgezogen, und dann mache ich mich auch schon auf den Weg zum Dinner. Eine Empfehlung der Gastgeber in ihren Begrüssungsunterlagen ist die lokale Beach Fire Brewing Company, die 3 Kilometer entfernt im Städtchen liegt, und neben selbt gebrautem Bier auch eine kleine Auswahl an Vorspeisen und Hauptgängen parathält. Meine beiden Wunsch-Essen sind leider heute aus, also gibt es doch wieder einen Burger, der zwar sehr lange (fast eine halbe Stunde) auf sich warten lässt, dann aber auch wirklich lecker ist. Vor allem die Kartoffeln in Knoblauch (endlich mal keine Fries als Beilage!) sind eine Sünde wert.
Gegen 19.30 Uhr bin ich dann auf dem Rückweg und sehe noch den Mondaufgang sowie einen herrlichen Sonnenuntergang; leider gab es oben auf dem Hügel keine gute Parkmöglichkeit (und ich wollte ehrlich gesagt auch nicht mehr lange suchen), daher hat es nur für diesen Schnappschuss durch die Windschutzscheibe an der Ampel gereicht.
Zurück in der Cottage mache ich mich an die Fotos und den Reisebericht für heute, und damit ist der Abend auch soweit gelaufen.
Morgen geht es dann erstmal an der Küste entlang (auf der Seestrasse statt auf dem Highway) nach Süden, und dann weiter nach Tofino. In Tofino werde ich die nächsten 4 Nächte wiedermal in einem Hotel sein statt in einer Cabin, das Hotel sollte aber vom Ruf her auch ein Erlebnis sein. Für morgen abend habe ich im hoteleigenen Restaurant einen Tisch mit 3-Gang-Menü gebucht, d.h. allenfalls wird es etwas später mit dem Reisebericht (zumal ich Sonntag für die Whale und Bear Watching Tours einigermassen zeitig aufstehen muss)!
Unterkunft: The Brass Apple Cottage, Campbell River
Gefahrene Km: 280
Schritte: 12’243
Fotos: 293








































































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