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Den guten Vorsätzen von gestern folgend klingelt der Wecker um kurz vor halb sieben. Draussen hat es 6 Grad, aber der Himmel ist klar und verspricht einen Tag mit gutem Wetter. Da ich davon ausgehe, dass ich mindestens die nächsten anderthalb Stunden auf der Beobachtungsplattform verbringen werde, lege ich heute zum ersten Mal die noch in letzter Minute eingepackte Thermounterwäsche an. Zu Recht, wie sich nachher herausstellen wird – es wird heute zwar nochmal richtig warm mit 25 Grad am Nachmittag, aber die Zeit morgens auf der Plattform, im Schatten, mit leichten Wind, wird schon sehr frisch.

Auch die restliche Planung für heute morgen geht perfekt auf – ich beschränke mich auf eine kurze Katzenwäsche im Bad, springe ins Auto, und fahre um 6.58 Uhr auf den Parkplatz der Belarko Wildlife Platform ein. Es stehen schon einige andere Fahrzeuge hier, in denen noch jeweils Leute sitzen. Offenbar ist die Plattform noch nicht geöffnet; als ich meinen Kamerarucksack aus dem Auto nehme ist es aber genau 7 Uhr, also marschiere ich zum Eingang, und der Ranger lässt mich als Ersten auf die Plattform. Daraufhin folgen auch die anderen Besucher; wie ich nachher erfahre haben die Frühankömmlinge wohl Anweisung erhalten, in ihren Autos zu bleiben bis es offiziell losgeht – ich war mit der Schweizer Pünktlichkeit dann einfach zur richtigen Zeit da 🙂

Ich erkenne einige Leute von gestern abend wieder; auch Mike und Sue sind bereits hier, und wir plaudern ein paar Minuten, als auch bereits der erste Grizzly am Wasser auftaucht. In der Morgendämmerung liegt dieser Teil des Flusses noch im Schatten, d.h. den Bildern fehlt etwas Licht, aber trotzdem sind ein paar schöne Aufnahmen mit dabei herausgekommen.

Zwischendurch treibt ein Schlauchboot mit Fotografen durch unser Bild; das ist eine der lokalen Grizzly Bear Sightseeing Tours, für die ich im April schon keinen Platz mehr bekommen hatte (allerdings auch eine von den weniger aufwendigeren Touren, da gibt es schon auch noch anderes). Ob die am Ende mehr Bären bzw. bessere Motive gesehen haben?

Die Bärenshow geht bis kurz vor 8 Uhr; ich bleibe dann noch bis halb zehn Uhr vor Ort, aber da sich bis dahin nichts mehr tut, breche ich auf. Als Erstes steht Frühstück auf dem Programm; das nächstgelegene Café, das am Sonntag hier im Valley geöffnet hat, ist wieder das Bella Café von gestern. Bis dorthin ist es zwar eine halbe Stunde Fahrzeit, aber was will man machen.

Das Wetter entwickelt sich inzwischen so gut wie vorhergesagt, und ich beschliesse beim Café vor Ort draussen auf der Veranda zu frühstücken. Es gibt einen Breakfast Wrap mit Rührei, Schinken etc. und dazu einen grossen Macchiato; beides schmeckt nach den 3 Stunden an der frischen Luft heute morgen hervorragend.

Während ich so dasitze läuft ein bekanntes Gesicht vorbei – Niels, der Schweizer den ich bei der Bärenfamilie auf The Hill getroffen hatte! Das Valley ist wirklich ein Dorf. Ich spreche ihn nochmal auf das Rennen in Whistler an, und tatsächlich ist es wie mir Google verraten hat – er nimmt am Weltcup Rennen teil, ist aber kein Profi, sondern “nur” begeisterter Amateur. Den Boliden, den er fährt, hat er von einem Freund ausgeliehen der in Whistler wohnt, nicht schlecht!

Während Niels sich übers WLAN des Café noch sein Musikprogramm für die Weiterfahrt herunterlädt, nehme ich noch einen Smoothie sowie Sachen fürs Abendessen mit, und mache mich auf den Heimweg. Zuhause in der Cabin gibts dann erstmal eine lange heisse Dusche, die heute morgen ausgefallen war, und dann mache ich nochmal ein kleines Nickerchen. Am frühen Nachmittag (inzwischen hat es 24 Grad) verbringe ich noch etwas Zeit auf meiner Veranda und geniesse das schöne Wetter.

Eigentlich liesse es sich hier vollends gut aushalten, aber nachdem für morgen schlechteres Wetter angesagt ist, kann ich mir den Nachmittag an der Bären Plattform nicht wirklich entgehen lassen.

Auf 15 Uhr schaffe ich es zwar wieder nicht, aber immerhin bin ich heute dann um 15.30 Uhr vor Ort. Als ich an der Plattform ankomme ahne ich bereits, was los ist: alle Besucher stehen in einer Ecke geballt zusammen, die Kameras im Anschlag. Der Ranger fragt auch erstmal nach, ob er mich durchlassen kann – offenbar ist ein junger Schwarzbär unten am Fluss unterwegs. Als ich dann endlich oben bin, ist von dem Bär aber nichts mehr zu sehen.

Mike und Sue sind ebenfalls bereits wieder da, und so erfahre ich, dass ich effektiv schon wieder 10 Minuten zu spät hier aufgetaucht bin. Wie gestern auch sind die Nachmittags-Sessions offenbar nicht mein Freund.

Danach passiert erstmal längere Zeit nichts, als ich gegen 17 Uhr eine Bewegung am Flussufer wahrnehme, und tatsächlich als Erster einen Bären entdecke. Endlich mal habe ich die beste Position auf der Plattform bis die anderen sich auch einsortiert haben, aber leider bleibt die Bärin weit entfernt, nagt eher lustlos an ein paar Lachsen herum, und trollt sich dann ins Unterholz davon. Viel zu sehen gibt es nicht, aber ein paar Impressionen sollen es schon sein:

Gegen 17.30 Uhr brechen Mike und Sue auf; wegen der Wettervorhersage sind wir alle nicht wild entschlossen, morgen früh wieder hier zu sein, und da morgen bereits mein letzter voller Tag hier in Bella Coola ist, verabschieden wir uns schonmal. Die Beiden waren wirklich eine echte Bereicherung für mich bei diesen Besuchen hier am Belarko!

Ich bleibe auch nur noch bis kurz vor 18 Uhr, dann wird es sowieso frisch nachdem die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet. Zurück in der Cabin setze ich mich noch mit einem Bierchen auf die Veranda, und fange mit der Fotosichtung für heute an.

Was ich morgen so unternehmen werde entscheide ich dann spontan je nach Wetterlage nach dem Aufstehen; ich werde aber keinen Wecker für 6.30 Uhr stellen. Ich werde auf jeden Fall nochmal tanken müssen, bevor es am Dienstag morgen auf die Fähre geht; die Kilometer-Fresserei im Valley spiegelt sich merklich in der Tankanzeige wider.

Unterkunft: Thunder Mountain Cabin, Firvale (via AirBnB)
Gefahrene Km: 121
Schritte: 5’454
Fotos: 764