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Tag 16 – 29.07.24

Kleiner Exkurs noch von gestern

Als ich gestern abend ins Bett gehen wollte, gab es noch ein unerwartete Überraschung – ich gehe ins Bad zum Zähneputzen, mache den Wasserhahn auf … und es kommt kein Wasser. Es ist erstaunlich, wie langsam das Hirn reagiert wenn etwas, das immer funktioniert, plötzlich damit aufhört. Meine erste Reaktion war «Wasserhahn zu, Wasserhahn wieder auf». Bei Computern hilft das oft, bei Wasserhähnen nicht. Beim Hahn der Badewanne sowie der kleinen Küchenzeile genau das Gleiche: kein Wasser.

Es ist kurz vor 23 Uhr, die Rezeption ist nicht mehr besetzt, aber heute nachmittag hatte der nette Mitarbeiter dort erzählt dass er nebenan wohnt und man ihn per Klingel auch nach 22 Uhr erreicht falls etwas ist. Die Klingel ist zwar gut versteckt (schwarzer Knopf auf schwarzem Untergrund) aber irgendwann finde ich sie doch, und er kommt dann auch direkt und berichtet, dass es in der ganzen Stadt kein Wasser mehr gibt – er hat gerade online den Alert gelesen. Offenbar wurde bei den Bauarbeiten in der Innenstadt eine Hauptleitung beschädigt.

Während er ein Schild mit diesen Infos ausdruckt und an seine Türe hängt, um die nächsten Klingler zu vermeiden, hole ich meinen Vorrat an Wasserflaschen aus dem Kofferraum – zumindest Zähneputzen ist damit gesichert.

Nun aber zum heutigen Tag

Am Morgen nach dem Aufwachen dann die spannende Frage: haben wir Wasser? Ja, wir haben! Zunächst mal solches, das draussen vom Himmel fällt – aber auch aus dem Hahnen kommt es wieder. Erleichtert und frisch geduscht mache ich mich gegen halb elf daran, meine Sachen ins Auto zu packen.

Der Wetterbericht hat Recht gehabt, es regnet heute – nicht immer, aber oft, und es ist generell sehr bewölkt. Da ich heute eh einen Fahrtag vor mir habe, und das Wetter sehr bei der Brandbekämpfung hilft, passt das eigentlich sehr gut zusammen.

Im nahegelegenen Junctions Coffee House hole ich mir noch die obligaten Kaffee und eine Apfeltasche, beides mit das Beste was ich auf dieser Reise bisher in diesen Kategorien gefunden hatte, dann mache ich mich auf den Weg.

Für die nächsten beiden Nächte habe ich in Horseshoe Bay über AirBnB etwas gebucht. Horseshoe Bay ist nur 30 Km vom Flughafen Vancouver entfernt, und die Idee war (bei gutem Wetter) morgen von hier aus einen Tagesausflug nach Whistler zu unternehmen, nochmal einen kleinen Waschtag einzulegen und ansonsten mein Gepäck und den ganzen Krimskrams wieder ordentlich in Koffer und Handgepäck zu verstauen, damit ich am Donnerstag nach Whitehorse fliegen kann. Nachdem ich mich 2 Wochen lang mit allen Utensilien im Auto breitgemacht hatte, wird das kein ganz triviales Unterfangen werden.

Es gibt 2 Optionen, von Cache Creek aus dorthin zu fahren – die erste über Schnellstrassen und durch Vancouver wäre eine halbe Stunde schneller, ich entscheide mich aber für den Hwy 99, der über diverse Berge und Täler, an Whistler vorbei und dann die Küstenstrasse entlang führt. Auch wenn das Wetter heute bescheiden ist, ist das dennoch die wesentlich schönere Strecke. Bei gutem Wetter würde sich ein erneuter Fahrtbesuch hier definitiv lohnen!

Gibbs Creek

Railroad River Viewpoint

Duffey Lake Viewpoint:

Green Lake Viewpoint:

Kurz vor 17 Uhr gelange ich am Ziel an; meine Gastgeber wohnen an schönster Lage in einer Gegend, die man nur als Millionärsquartier bezeichnen kann. Man kann viel Schlechtes am AirBnB-Modell finden, und Einiges davon sicher zu Recht, auch wenn ich bisher (klopf-auf-Holz) viele sehr gute Erfahrungen gemacht habe – aber die Gelegenheit, in so einem Viertel mal in paar Tage zu wohnen, hätte ich ohne AirBnB nie gehabt.

Die Wohnung («The Azure Suite«) ist quasi unter dem Haupthaus errichtet worden; durch die Hangbauweise ging das. Von der Aussicht fühlt es sich also wie eine Penthouse-Wohnung an, aber tatsächlich ist über mir nochmal eine vermietete Suite, und über der befindet sich das Haus in dem die Besitzer wohnen. Das kleine Appartment ist liebevoll eingerichtet, mit vielen Orchideen und schön aufeinander abgestimmtem Schickschnack, aber das Beste ist natürlich die Aussenveranda und der Ausblick.

Die Suite hat einen nachträglich angebauten, eigenen privaten Zugang – man muss daher aber über diverse Treppen auf und abgehen, bevor man wirklich da ist. Nicht optimal im Hinblick darauf dass ich das komplette Auto ausladen und in 2 Koffer packen muss, solange ich hier bin, aber nach 20 Minuten ist zumindest mal das Gröbste im Haus.

Dafür wird es nach dem Treppab-Treppauf aber schön 🙂

Sehr nett: auch hier gibt es zur Begrüssung eine Flasche Rotwein.

Wegen des Regenwetters ahnt man die tolle Aussicht mehr als das man sie sieht, aber wow – was für eine Lage! Was für ein Panorama! Und um uns herum viele schicke Häuser mit viel Platz um sich herum und mit ähnlicher Aussicht.

Da ich vom Fahrtag müde bin, und auch noch etwas Vorräte in der Kühlbox mit mir herumschleppe, gehe ich nicht mehr aus dem Haus, sondern mache mir auf der Kochplatte eine Kleinigkeit zu essen. Dazu ein Gläschen vom Gastgeber-Rotwein und noch ein paar Minuten auf der (zugegeben etwas frisch temperierten) Veranda runden den Abend ab.

Der Wetterbericht für morgen sieht leider auch recht regnerisch aus, aber warten wir es mal ab. Sobald ich im Yukon lässt sich hoffentlich wieder mehr erzählen – dort wird es zwar einen ganzen Kittel kühler werden, und die Gegend ist ja bekannt für notorisch regnerisches Wetter, aber ich bin wie immer erstmal zuversichtlich. In Vancouver sind ab Donnerstag 37(!) Grad vorhergesagt, da fahre ich doch lieber weiter nach Whitehorse – die 2’000 Kilometer weiter nördlich merkt man dann sehr!

Unterkunft: Azure Suite, Horseshoe Bay / West Vancouver, BC (via AirBnB)
Gefahrene Km: 325
Schritte: 4’145
Fotos: 105