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Die Ausgangslage

Wie im gestrigen Bericht zur Planung schon geschrieben habe, war ich zwar schon einmal in British Columbia, aber abgesehen vom Startpunkt «Vancouver» noch nie in dem Bereich, in den ich mich jetzt vorwagen werde. Es ist also mal wieder eine Reise ins Neuland, rein basierend auf Tipps aus Reiseberichten und von Google bzw. Claude. Vancouver Island steht eigentlich schon lange auf meiner Liste möglicher Ziele, das geht aber vielen tausend anderen Touristen auch so, und so liest man in den letzten Jahren oft vor allem von Menschenmassen und Verkehrsstaus auf der Insel. Ich habe mich daher für eine Mischung aus dem Chilcotin, dem bergigen Hinterland British Columbias, und 3 ausgewählten Orten auf Vancouver Island entschieden.

Die Route

Wie man auf der Kartendarstellung von Google Maps (LINK) sieht, wird mich der Weg von Vancouver auf den Chilcotin führen. Über den doch recht bekannten Sea-to-Sky Highway geht es via Lilooet und 100 Mile House bis nach Williams Lake. Dort biege ich dann auf den «Freedom Highway» Hwy 20 ab, der bis Nimpo Lake noch asphaltiert ist. Auf der ganzen Strecke sollten im September eigentlich schon die Herbstfarben des Indian Summer die Landschaft färben, und spätestens ab Williams Lake wird es verkehrsarm und ruhig auf den Strassen. Tatsächlich warnen die Reiseberichte eher davor, dass es hier oft freilaufende Kühe gibt, die auf der Strasse herumwandern.

In Nimpo Lake bleibe ich 3 Nächte, und danach geht es weiter über den berühmt-berüchtigten The Hill, eine Serpentinenstrasse, die auf 19 Kilometern etwa 1200 Höhenmeter ins Bella Coola Valley hinab mäandert. Dort werde ich 2.5 Tage bleiben um Bären am Fluss zu beobachten, um anschliessend mit der Northern Sea Wolf Fähre einen ganzen Tag lang in der Inside Passage unterwegs zu sein, um von dort nach Port Hardy auf Vancouver Island überzusetzen. Von Port Hardy ist es nur ein Katzensprung nach Telegraphe Cove, wo ich drei Nächte verbringen werde – und wenn das Wetter mitspielt hoffentlich auch einen Tag auf See mit einer Whale Watching Tour, die ich aber noch nicht gebucht habe. Von Telegraphe Cove geht es mit einer Übernachtung in Campbell River (um die Fahrtage nicht zu lange werden zu lassen) nach Tofino.

Tofino ist ein kleines Küstenstädtchen auf der Westseite von Vancouver Island, und bekannt für seine dramatischen Landschaften mit tosenden Wellen und unberührter Wildnis. Dort werde ich 4 Nächte im Wickaninnish Inn verbringen – das Wickaninnish Inn gilt als eines der schönsten Hotels in ganz British Columbia, liegt auf einer Felszunge am Chesterman Beach mit unverbautem Blick auf den Ozean, und ist ein klassisches „Bucket List“-Ziel für Reisende.

Zum Abschluss der Reise werde ich dann den Weg von Tofino quer über Vancouver Island und mit der Fähre nach Horseshoe Bay zurück nach Vancouver antreten. Obwohl der Rückflug nach Zürich erst um 16.40 Uhr in Vancouver startet, und dieses Schlussstück eigentlich gut an einem Tag machbar sein müsste, will ich hier aber nicht in Stress verfallen – und habe daher noch eine Nacht Pause zwischen der Rückkehr nach Vancouver und dem Flug nach Hause eingeplant.

Quelle: Google Maps

Der Reiseplan

  • Tag 1: Zürich – Vancouver, Direktflug mit Edelweiss Air. Ankunft am Nachmittag, Übernachtung im Fairmont Vancouver Airport (bekannt von früheren Reisen dorthin).
  • Tag 2: Übernahme des Mietwagens von «Far Out Wilderness» am Flughafen, Reise nach Lilooet (etwa 330 Km) und Übernachten in einem B&B.
  • Tag 3: Lilooet – 108 Mile Ranch (etwa 180 Km). Übernachtung in einem AirBnB.
  • Tag 4: 108 Mile Ranch – Nimpo Lake. Ein langer Fahrtag von 400 Km, plus Vorräte einkaufen in Williams Lake, der letzten grossen Stadt für die nächsten Tage. Ich hätte gerne auf halbem Weg noch eine Nacht Zwischenstation gemacht, habe dann aber leider nichts gefunden. Übernachtung im Eagle’s Nest Resort, einem recht plüschigen Hotel am See mit toller Aussicht und angeblich hervorragender Küche.
  • Tag 5: Nimpo Lake
  • Tag 6: Nimpo Lake
  • Tag 7: Nimpo Lake via The Hill nach Bella Coola Valley. Nur 150 Km Strecke, aber auf Gravel. Da alle Lodges in dem kleinen Tal ausgebucht waren, war ich froh noch via AirBnB die Thunder Mountain Cabin für 3 Nächte bekommen zu haben.
  • Tag 8: Bella Coola Valley
  • Tag 9: Bella Coola Valley
  • Tag 10: Morgens um 5.30 Uhr (aua) muss ich am Hafen von Bella Coola sein, um meine Fähre nach Vancouver Island zu erreichen. 10 Stunden auf See bieten dann hoffentlich auch schöne Eindrücke (wenn das Wetter mitspielt). Nach Ankunft um planmässig 17.30 Uhr ist es noch eine Stunde Fahrt nach Telegraphe Cove, wo ich via AirBnB die Orca Lookout Cottage für 3 Nächte gebucht habe. Das Cottage ist die einzige Unterkunft unterwegs mit einer Waschmaschine, also perfekt um auf halbem Weg wieder Klar Schiff zu machen.
  • Tag 11: Telegraphe Cove 
  • Tag 12: Telegraphe Cove 
  • Tag 13: Telegraphe Cove – Campbell River. Etwa auf halbem Weg nach Tofino bietet sich Campbell River, 200 Km von Telegraphe Cover entfernt, für einen Zwischenstopp ein. Ich nächtige in der Brass Apple Cottage, einem Fundstück via Booking.com.
  • Tag 14: Campbell River – Tofino. Nach nochmal rund 270 Km komme ich nach Tofino, wo ich 4 Nächte im Wickanannish Inn sein werde.
  • Tag 15: Tofino
  • Tag 16: Tofino
  • Tag 17: Tofino
  • Tag 18: Tofino – Vancouver: über 300 Km quer über Vancouver Island geht es nach Nanaimo, wo ich für 16 Uhr eine Fähre nach Horseshoe Bay gebucht habe. Damit sollte ich bis spätestens um 20 Uhr am Flughafen sein, wo ich die letzte Nacht der Reise erneut im Fairmont verbringen werde.
  • Tag 19: Heimreise. Am Morgen werde ich noch den Mietwagen zurückgeben, da ich das von den Servicezeiten bis 18 Uhr am Vortag nicht schaffen werde. Bis 12 Uhr kann ich im Fairmont den Tag verbringen, bis dann gegen 15.30 Uhr vermutlich das Boarding beginnt. Edelweiss wird mich dann ebenfalls wieder als Direktflug zurück nach Zürich bringen, wo ich Freitag morgens gegen 11 Uhr ankommen sollte, so dass immerhin noch das Wochenende für die Erholung vom Jetlag und das Ausklingenlassen der Reise zur Verfügung stehen wird.

Herausforderung I: Vorausbuchungen

Eher untypisch im Vergleich zu meinen sonstigen Roadtrips ist, dass ich auf dieser Reise wirklich sehr viel vorgebucht habe – jede Unterkunft, jede Fähre, und auch die 2-3 Tagestouren, die ich unterwegs machen möchte, werde ich noch vorausbuchen. Das hat einerseits damit zu tun, dass ich dieses Mal mit 19 Tagen Reisedauer wesentlich weniger flexibel sein werde als beim letzten Mal mit 56 Tagen, und andererseits damit, dass meine Ziele entweder abgelegen sind und daher entsprechend wenig Angebote haben (Chilcotin, Bella Coola Valley), oder dass der September auf Vancouver Island eben immer noch ein begehrter Reisemonat ist.

Die Planungen und Buchungen haben sich im Vorfeld auch bereits als nicht ganz einfach erwiesen – wie schon berichtet, haben mir die 4 Lodges, die in Bella Coola, Knight Inlet, etc. für gute Bärentouren bekannt sind, alle abgesagt, weil sie bereits ausgebucht sind. Die BC Ferries muss man ebenfalls Monate im Voraus buchen; Bella Coola wird selbst in der Saison nur alle 3 Tage von der Fähre in Richtung Vancouver Island bedient, und die ist in der Regel dann voll. Wenn man da auf Gut Glück mitkommen will, kann es sein, dass man am Ende stattdessen die 1’000 Kilometer Weg nach Vancouver über Land zurückfahren muss, um dort nach Vancouver Island überzusetzen.

Da hilft es dann auch nicht, dass die Webseite der BCFerries einen unglaublich empfindlichen Payment-Abwickler verwendet – das Internet hat diverse Berichte dazu, dass Zahlungen abgelehnt werden, weil z.b. die eingegebene Adresse des Bestellers nicht 100% exakt zu dem passt, was der Payment-Anbieter findet. Und als Europär mit diversen Umlauten in Namen und Adresse hat es dann tatsächlich erst im 14. Anlauf mit meiner Buchung geklappt… aber immerhin bin ich jetzt versorgt.

Herausforderung II: Der Mietwagen

Auch diese Frage war komplizierter zu lösen als erwartet.

Alle grossen Anbieter (Alamo, National, etc.) erlauben keine Fahrten auf nicht-asphaltierten Strassen. Und der ganze Weg ab Nimpo Lake bis ins Bella Coola Valley ist Gravel, also explizit nicht erlaubt. Das kann man sicher ignorieren und trotzdem fahren, wie es ja auch genügend andere Touristen tun, und in der Regel geht das auch gut – aber wehe, das Auto bleibt dann auf so einer Strecke liegen. Dann sind alle Versicherungen und Schadensausschluss-Klauseln passé, und man muss selbst schauen (und bezahlen), wie man den Boliden zurück nach Vancouver bekommt.

Da ich im Urlaub so einen Stress erst gar nicht aufkommen lassen will, habe ich auf früheren Reisen immer gerne bei Driving Force in Whitehorse/Yukon gebucht, bei denen Gravel Roads erlaubt sind – das  hatte sich auch jedes Mal gelohnt, da ich mir immer einen Steinschlag an der Windschutzscheibe eingefangen hatte. Für Vancouver hilft das aber leider nicht, Driving Force hat zwar in einem Vorort von Vancouver eine Niederlassung, aber ich konnte für September keinerlei Auswahl an Mietwagen finden.

Claude hatte mir dann mehrere lokale Anbieter empfohlen, die explizit Allrad-Fahrzeuge mit Gravel-Freigabe vermieten. Dort bekommt man dann zwar nicht wie bei den grossen Anbietern Autos, die maximal 1 Jahr alt sind, sondern ältere Fahrzeuge, aber egal. Allerdings richten sich die meisten dieser Anbieter auf Leute aus, die auf eigene Faust in der Wildnis campen gehen möchten, d.h. es sind Pickup Trucks mit Zeltaufbau auf dem Dach. Nicht nur, dass ich das nicht brauche, es kostet auch deutlich mehr Gewicht (macht die Fahrt mit der Fähre etwas schwieriger) und mehr Geld.

Eine Anfrage bei Far Out Wilderness hat dann aber die Lösung gebracht: nicht nur, dass der Service hervorragend war und Sam, der Besitzer, mir exakt 15 Minuten nach meiner Anfrage mit einem konkreten Angebot geantwortet hat, sondern sie haben mir ein Auto reserviert, das perfekt passt. Ich werde die 19 Tage also mit einem Toyota Tundra TDR unterwegs sein, einem 5.30 Meter langen Pickup-Truck, der laut Fotos zwar sicher schon 6-8 Jahre alt sein dürfte, aber die Tundras sind praktisch unkaputtbar und daher sehr beliebt in Nordamerika. Der Toyota kommt ohne Zeltaufbau und Campingausrüstung, aber mit einem eingebauten Kühlschrank und Propangasherd, also wirklich tipptopp. Und kostet inklusive Versicherung und Gravel-Freigabe genau so viel, wie ein SUV bei Alamo oder National.

Ich bin selbst sehr gespannt wie der Plan aufgehen wird, aber freue mich schon!

 

Disclaimer: das Titelbild dieses Beitrages wurde mit AI (Perplexity.Pro und einem Prompt von Claude) erstellt