Die Gruppe hatte gestern abend vereinbart, heute morgen um 3.30 Uhr wieder via Whatsapp zu klären ob der Wetterbericht einen Sonnenaufgang am Vestrahorn erlauben würde. Es ist aber immer noch sehr neblig und Stefan teilt mit, dass es keinen frühen Start gibt – statt dessen Frühstück um 8 Uhr. Ich bin zugegebenermassen erleichtert, die zusätzlichen 4 Stunden Schlaf sind ein Segen für meine Erkältung, und als ich nach insgesamt 11 Stunden Nachtruhe aufstehe fühle ich mich wieder einigermassen menschlich.  

Kurz vor 9 Uhr brechen wir dann auf. Links im ersten Bild sieht man gut den Kompressor, der es dem Mercedes erlaubt während der Fahrt den Luftdruck in allen Reifen dynamisch anzupassen. Sobald die Koffersammlung eingestapelt ist, hört man auch kaum noch etwas von der Maschine.

Unser Ziel heute morgen ist wieder das Vestrahorn. Sonnenaufgang war zwar nicht drin, aber wir wollen vor Ort schauen ob wir nicht vielleicht Glück mit dem Nebel haben und sich zwischendurch Lücken auftun. 

Soviel sei gesagt: wir hatten Glück, und die Wetterbedingungen sind sehr (und schnell) wechselhaft – innerhalb von Minuten war der Berg im Nebel, halb im Nebel, fast vollständig nebelfrei, und wieder voll im Nebel. Stefan ist wie eine Gämse durch die Gegend gesprungen, immer auf der Suche nach einem guten Bildausschnitt oder speziellen Blickwinkel, der dann nur minutenlang existierte bis der Nebel wieder kam, und so sehen wir eine ganze Menge von Vestrahorn und Umgebung!  

Zuerst Spiegelaufnahmen am Stokksnes – das Meer hinterlässt auf dem schwarzen Sand nach jeder Welle etwas Wasser, das wie eine Spiegelfläche wirkt – und jeder will von dort ein paar mehr oder weniger «dynamische» Impressionen mitnehmen, gerade bei diesen mystischen Lichtverhältnissen:

Vestrahorn im veränderlichen Wetterablauf:

Gegen 13 Uhr machen wir uns auf zum Viking Café für Bio Break und Kaffee fassen. Auf nachdrückliche Empfehlung von Stefan probiere ich den hausgemachten Apfel-Karamellkuchen, der wirklich lecker ist, aber auch entspannte 1100 ISK (= knapp 9 CHF) kostet 😉

Dafür erzählt die Isländerin hinter der Theke, wieso das Wikingerdorf in der Nachbarschaft derzeit nicht für Touristen zugänglich ist – Netflix dreht dort neue Folgen ihrer The Witcher Serie! Ich hätte die nächste Staffel zwar auf jeden Fall geschaut, aber so freut man sich direkt noch ein bisschen mehr darauf das zu sehen, was quasi in direkter Nachbarschaft entstanden ist. 

Vor dem Aufbruch heisst es erstmal, den schwarzen Sand (so gut es eben geht) loszuwerden:

Kurz nach dem Vestrahorn halten wir am Estrahorn, so dass wir West- und Ost-Horn gesehen haben. Auch interessant: auf dem Parkplatz stehen alleine 3 deutsche Wohnmobile, die alle unabhängig voneinander hier sind. Überhaupt sieht man viele deutsche und Schweizer Nummernschilder auf Island – nicht zuletzt weil die Mietpreise so hoch sind bringen viele, die länger bleiben möchten, ihre eigenen Fahrzeuge nach Island.

Das Estrahorn ist weniger eindrücklich als das westliche Gegenstück, und so brechen wir nach einer knappen halben Stunde bereits wieder auf. Stefan informiert kurz über unsere Statistik bisher: wir haben bis jetzt 28 Stunden reine Fahrzeit im Boliden verbracht und dabei 1586 km zurückgelegt.

Am Nachmittag gelangen wir am Hengifoss Wasserfall an – einer der wenigen Fotospots, an denen wir nicht alleine sind, sondern uns die Gegend mit dutzenden anderen Touristen teilen müssen. Der Weg zum Wasserfall ist gut ausgebaut, geht aber 200 Höhenmeter hoch und ca 1 Stunde pro Strecke. Ich kneife angesichts von Husten und Halsweh, und setze mich nach ein paar kurzen Drohnenausflügen ins Umland lieber auf ein Bänkchen in die Sonne mit einem Tee vom Foodtruck, der neben dem Parkplatz Station bezogen hat. 

Nachdem die Truppe zurück ist wird es bereits Zeit für den Weg zum Abendessen, wir haben noch etwas Fahrt vor uns. Heute gibt es Dinner im Icelandair Hotel Herad in Egilsstadir, und das dürfte eines der besten Essen der Reise gewesen sein. Wegen meinen Medis habe ich nicht ganz so viel davon, und wir sitzen recht lange am Tisch da sich immerhin 4 Leute für ein mehrgängiges Menü mit Weinbegleitung entschieden hatten. 

Gegen 23 Uhr gelangen wir am schönsten Hotel der ganzen Reise an, dem 1001 Nights – jedes Zimmer ist ebenerdig, in eine Richtung komplett verglast mit eigener Terrasse und Aussicht, top modern und sauber auf 5 Sterne Niveau eingerichtet. Wir haben nur leider nicht sehr viel bzw lange etwas davon – wir können nur noch mit unseren Koffern in die Zimmer stolpern, schnell unter die Dusche und ab ins (superbequeme) Bett fallen – um 5 Uhr geht es morgen bereits weiter, und wie Stefan meinte: «morgen wird ein langer Tag». 

Morgen ist ausserdem «Bergfest» unserer Tour, und man merkt bei allen so langsam eine gewisse Müdigkeit von den intensiven Tagen und den vielen Eindrücken, die man mitnimmt. Aber genau dafür haben wir ja schliesslich alle diese Reise gebucht! 

Unterkunft: Hotel 1001 Nights, Egilsstadir
Zurückgelegt
: 9’282 Schritte / 7.3 km