Heute mache ich mich auf den Weg von Skagway nach Atlin in British Columbia, Kanada – meinem letzten Zwischenziel, bevor es zurück nach Whitehorse und von dort via Vancouver wieder nach Zürich geht.
Entgegen von Reviews auf Tripadvisor gibt es im kleinen und remote gelegenen Atlin zwar tatsächlich kein Mobilfunknetz, aber das Hotel hat ein halbwegs funktionierendes Wifi! 2017 war das offenbar noch nicht der Fall, daher hatte ich ursprünglich gedacht, ich müsste den Blog für 2 Tage aussetzen, aber sofern das Wlan durchhält gibt es doch noch Updates und Bilder. Falls sich das doch als problematisch erweist lade ich die weiteren Sachen am Montag in Whitehorse hoch.
Nach dem Frühstück verlasse ich also kurz nach 9 Uhr die Chilkoot Outpost
Lodge und fahre ein letztes Mal nach Skagway. Heute liegt wieder nur ein
Kreuzfahrtschiff im Hafen, und es ist «meine» MS Regatta, mit
der ich vor 3 Jahren auf Kreuzfahrt hier war. Daher mache ich natürlich
noch einen kurzen Abstecher zum Hafen und werfe einen Blick auf die
Regatta.
Da es sich um ein kleines Schiff mit weniger
als 700 Passagieren handelt, und die meisten davon vermutlich
organisierte Ausflüge ins Umland unternehmen, ist im Ort kaum
zusätzlicher Betrieb zu spüren. Wie ich gestern noch im Internet gelesen
hatte bekommt Skagway mit seinen knapp 1’000 Einwohnern während der Reise-Saison, dh. von Anfang Mai bis Anfang Oktober, eine Million Besucher pro Jahr! Davon 890’000 mit den Kreuzfahrtschiffen, der Rest kommt so wie ich individuell.
Nach dem Abstecher zum Hafen halte ich im Glacier Smoothies & Espresso
und lasse mir einen Mangosmoothie und einen Club Wrap für später
einpacken, nehme noch einen Cappuccino mit, und mache mich auf den Weg.
Goodbye Skagway!
Der Weg in Richtung Kanada führt über den Klondike Highway,
der vergleichbar verläuft wie die Zugstrecke zum White Pass gestern. Am
ersten Turnout sehe ich sogar den heutigen Morgenzug auf der Rückreise
nach Skagway.
Das sind keine Strassenlampen, sondern zeigen dem Schneepflug wo er fahren kann und wo die Strasse aufhört…
Im Grenzgebiet zwischen Alaska und Kanada
Der kanadische Grenzposten:
Am Grenzposten nach Kanada bekomme ich
wieder einige Fragen zu meiner Reise gestellt, und bestätige dass ich
auf diesem Trip nicht mehr in die USA einreisen werde – daraufhin nimmt
die Grenzbeamtin meine bei der erster Einreise in Poker Creek
ausgestellte Einreisekarte aus dem Pass, und damit ist meine offizielle
Ausreise formell dokumentiert. Das ist wichtig, damit es nicht aus
aussieht als hätte ich die maximal zulässigen 90 Tage in den USA
überschritten. Als das erledigt ist heisst es Abschied nehmen von Alaska.
Interessanterweise ändert sich fast direkt hinter der Grenze die Landschaft massiv. Während in Alaska noch grüne Kiefernwälder dominiert haben, wachsen hier verschiedene Bäume und Sträucher, die im Herbst ihre Farbe ändern, so dass ich nun wieder durch eine leuchtend bunte Herbstlandschaft unter strahlend blauem Himmel fahre.
Kleine
Anekdote: während ich an einem Turnout halte, um erneut ein Foto vom
«Willkommen in Yukon» Schild zu schiessen, dreht ein auf der
Gegenfahrbahn vorbeigefahrenes Auto um, stellt sich direkt neben mich
und lässt das Fenster herunter. Im Auto sitzen 2 Frauen, offensichtlich
Mutter und Tochter, und fragen mich ob ich wüsste wie sie von hier aus
nach Fort Nelson kommen würden – ihr Navi findet den Ort nicht, und
Internet funktioniert hier draussen nicht. Ich weiss es zwar auch nicht,
finde dann aber auf ihrer Papierfaltkarte den Ort – und der liegt
geschlagene 950km von hier entfernt!
das bewusst ist guckt die Mama zerknirscht und erzählt, dass einer von
ihnen beiden bei der Reiseplanung die Kilometer falsch berechnet hat
(die Tochter daraufhin: «und das war nicht ich!). Noch schlimmer: sie
müssen morgen dann noch nach Banff fahren, und das sind weitere 1200
Kilometer ab Fort Nelson. Ich erkläre ihnen, wie sie in die richtige
Richtung kommen (ihre vorherige Fahrtrichtung war genau entgegen gesetzt
vom Ziel), wünsche ihnen viel Glück und sie machen sich auf den Weg.
Kurz nach dieser Begegnung komme ich in Carcross an. In Carcross befindet sich die nach eigener Aussage «kleinste Wüste der Welt» von
knapp 2.5 Quadratkilometern. Es handelt sich natürlich nicht um eine
echte Wüste im wissenschaftlichen Sinn, dafür gibt es hier zu viel
Feuchtigkeit, und im Winter liegt die «Wüste» sogar unter einer
Schneedecke. Die grossen Sanddünen bestehen aber tatsächlich aus echtem
Sand, der vor Jahrtausenden aus Bodensedimenten eines Sees entstanden
ist. Das Gebiet ist trotz Anstrengungen der lokalen Behörden wegen
Widerstand der Bevölkerung nicht unter Schutz gestellt worden, und die
vielen Spuren zeigen, dass die Einheimischen dort mit ihren Jeeps und
ATVs durch die Dünen düsen und ihren Spass haben. Heute ist allerdings
nichts los und ich bin praktisch alleine in der Wüste unterwegs.
Von
Carcross aus wird der Verkehr noch weniger, wenn das überhaupt geht, wobei die Strassen bis
Atlin erfreulich gut ausgebaut bleiben. Von Carcross aus sind es noch 150km
bis an mein Ziel, wofür ich rund 3 Stunden brauche, weil ich dauernd
anhalten und die nächste tolle Aussicht bewundern muss. Was für ein
schöner Tag!
Hier in diesem Moment erreiche ich Kilometer 6’000 auf der Reise:
Unterwegs sehe ich mehrfach (und zum allerersten Mal) Stachelschweine,
die sich auf der warmen Asphaltdecke in der Sonne tummeln. Wie üblich
halten die wenigen Autos jeweils an und warten mehr oder weniger
entspannt, aber immerhin ohne zu hupen oder zu drängeln, bis sich das
Tier von der Strasse bequemt. Leider hatte ich das Tele nicht auf der
Kamera, somit gibt es nur dieses eine schwache «Beweisfoto».
Um halb
sechs Ortszeit komme ich in Atlin an – ein verschlafen gelegenes, aber
malerisches Örtchen mit knapp 500 Einwohnern. Es gibt 2 Hotels und
ein Restaurant im Ort, die jetzt gegen Ende der Saison noch offen haben (das
Restaurant allerdings nur für Frühstück und Mittagessen, weil um diese
Jahreszeit einfach kein Personal mehr zu kriegen ist). Ich bin für 2
Nächte im Atlin Inn untergekommen, und mein Zimmer ist wie auf
der Webseite angekündigt recht neu renoviert (Holzboden statt den
üblichen schrecklichen Teppichen) und hat einen schönen Blick auf den direkt
vor dem Gebäude liegenden Atlin Lake.
Nachdem ich
die nötigen Sachen aus dem Auto geladen habe, drehe ich noch eine Runde
um den Block für ein paar Impressionen, und setze mich dann auf der
Aussenterrasse der hoteleigenen Bar in die Sonne, um ein Bierchen zu
geniessen. Dabei komme ich mit Ken ins Gespräch, der im Strassenbau
arbeitet und derzeit für 10 Tage in Atlin arbeitet. Ken gibt mir bei der nächsten Bestellung ein Bier aus, und erzählt dass er manchmal bereut, nicht länger zur Schule gegangen zu
sein, findet seinen Job aber eigentlich super – er arbeitet viel in
Nationalparks, wo er die Aussicht und Umgebung gratis bekommt, wird sehr
gut bezahlt weil es zu wenig Leute gibt, die den Job machen wollen, und
nimmt nur Aufträge an wenn er Geld braucht. Als Ken aufbricht,
übernehmen die Tischnachbarn Catalina (aus Chile) und Ross (aus Haines
Junction) nahtlos das Gespräch, und so wird aus dem ursprünglichen «ich
geh nur schnell ein Bier trinken» ein unterhaltsamer Abend.
Unterkunft: The Atlin Mountain Inn, Atlin, British Columbia, Kanada
Gefahrene Km: 287
Gelaufene Km: 7.4
Gemachte Fotos: 336






































































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