In den 24’000 Quadratkilometer grossen Denali Nationalpark führt nur eine einzige, 92 Meilen lange Strasse, auf der man während der Saison nur die ersten 15 Meilen mit dem eigenen Auto fahren darf; für den Rest der Strecke ist das verboten – nur zugelassene Shuttle Busse sind ab dort erlaubt (ausser man hat spezielle Permits wie zB An- und Abfahrt zu bestimmten Campgrounds im Park).
Man hat dabei die Wahl zwischen Bussen mit Tourguides oder Transit Shuttles, die offiziell nur zwischen den einzelnen Stationen im Park verkehren. De facto unterscheiden sich die beiden Angebote aber nur sehr begrenzt – beide nutzen alte Schulbusse für die Touren, und je nach dem wie motiviert die Fahrer der Transit Shuttles sind erzählen diese auch sehr viel über den Park, und halten bei Tiersichtgungen ebenfalls an.
Da die Busse mit Tourguides fast doppelt so teuer sind, hatte ich daher auch dieses Mal Tickets für den normalen Shuttle Bus vorgebucht – für heute die kürzeste mögliche Tour (8 Stunden) bis Eielson Center bei Meile 66, und für Samstag die Tour zum Wonder Lake an Meile 82 (11 Stunden).
Karte des Parks: https://www.nps.gov/dena/planyourvisit/maps.htm
Für heute hatte ich eine recht späte Tour gebucht, die um 10.15 Uhr startet – man soll dafür bis 10 Uhr an der Abfahrtstelle vor dem Wilderness Access Center sein, aber als ich dort um 10 Uhr ankomme ist schon eine recht lange Schlange von Leuten dort. Für morgen lohnt es sich also, etwas früher da zu sein.
Unser Gefährt (nicht am WAC, sondern unterwegs aufgenommen)
Briefing vor der Abfahrt durch Sandy, die uns durch den Tag begleiten wird:
Laut Zählung unserer Bus-Chauffeurin steigen 44 Leute in den Bus, der 48 Sitzplätze bietet. Ich habe Glück und erwische den letzten freien Fensterplatz auf der Fahrerseite. In verschiedenen Reiseberichten wurde empfohlen, möglichst dort zu sitzen, da parkeinwärts die meisten weiten Gegenden mit entsprechendem Widlife-Potenzial auf der linken Seite liegen. Diese Empfehlung hatte sich bei den 2015er Touren bereits ausgezahlt, und sollte sich auch heute wieder bestätigen.
Entgegen des Wetterberichts für Healy ist heute morgen vom prognostizierten guten Wetter aber nicht viel zu sehen – der Himmel ist grau bewölkt, und als der Bus startet hängt der Nebel tief über dem Park.
In den ersten anderthalb Stunden gibt es keine Tiersichtungen und wenig Landschaft zu sehen, aber dann wendet sich das Blatt: obwohl der Park so gigantisch gross ist dass eigentlich keine Tiere auf der Strasse unterwegs sein müssten, laufen dort doch regelmässig Tiere umeinander. So auch heute, eine Bärenmama mit 2 Jungen (ich weiss, schon wieder!) kommt uns entgegen! Die Busfahrerin hält natürlich sofort und verdonnert uns alle zum leise sein, um die Bären nicht zu erschrecken, die gemütlich bei uns am Bus vorbeitrotten.
Auf dem weiteren Weg sehen wir noch Golden Eagles und Dall Sheep, aber beide zu weit entfernt für Fotos. Ansonsten gibt es halt viel Landschaft zu sehen, wenn auch nach wie vor meistens im Nebel.
Erstaunlich: auch bei einer solchen Sightseeing Tour gibt es Leute, die lieber auf ihrem Handy spielen als die Aussicht zu geniessen (der Herr vorne in der blauen Jacke)…
Nach mehreren Pausen gelangen wir kurz nach 14.15 Uhr am Eielson Center an, und etwa 5 Minuten vorher geschieht womit niemand mehr gerechnet hatte – der Himmel reisst auf, die Sonne scheint, und Denali taucht aus dem Nebelmeer auf! Damit gehören wir heute zu den nur rund 30% der Parkbesucher, die bei ihrem Visit den namensgebenden Berg überhaupt zu sehen bekommen.
Die halbe Stunde Pause am Center vergeht daher mit diversen Fotoshootings, und um 14.50 Uhr besteigen alle, die direkt mit zurück zum Parkeingang möchten, wieder den Bus.
Unterwegs haben wir noch 3x Glück mit Tiersichtungen; zweimal sehen wir Karibous, die allerdings relativ weit weg sind, und einmal noch einen Bären, der sich kurz -aber äusserst fotogen- in einem bunten Feld von Herbstpflanzen tummelt.
Um 18.15. Uhr sind wir pünktlich und hochzufrieden zurück am WAC. Es hatten zwar alle noch darauf gehofft, ein Moose im Park zu sehen, und vielleicht sogar einen der seltenen Wölfe, aber das hat heute leider nicht geklappt. Nichtsdestotrotz hatten wir mit Tier- und Denali-Sichtungen viel Glück.
Ich halte auf dem Heimweg wieder in der 49th State Brewery, in der heute (obwohl es ja Freitag ist) erstaunlicherweise weniger los ist als gestern, und esse nach dem langen Tag noch etwas Warmes zu Abend.
Und nach der Abzweigung von der Hauptstrasse in Richtung zu meiner Unterkunft tappt doch tatsächlich noch ein weibliches Moose aus dem Wald … gefolgt von ihrem Kalb! Die Alaskaner sind in solchen Fällen sehr entspannt, sofort halten alle Autos in beide Richtungen an, bis die beiden Tiere die Strasse überquert haben. Keiner hupt, niemand stresst, und einer der entgegenkommenden Fahrer hält sogar nochmal an, als er meine Kamera sieht, um mir nicht ins Bild zu fahren.
Zur Krönung und Abrundung des Ganzen glänzt über dem Wald, in dem sich meine Unterkunft befindet, noch ein grosser Regenbogen, und zum Sonnenuntergang bin ich bereits in meiner Wohnung zurück.
Unterkunft: Aspen Haus, Healy, Alaska
Gefahrene Km: 35
Gelaufene Km: 4.8
Gemachte Fotos: 328










































Neueste Kommentare